Gutes aus zweiter Reihe- ROSSI

Wir reden über einen Weltrekord… doch, alles hat klein angefangen.
Um das Jahr 1870 herum war die Pfeifenmacherei in Italien bestimmt durch reine Handarbeit und weite Wege. Viele kleine und kleinste Manufakturen fertigten Pfeifen von Hand und die wurden dann von Handelsreisenden zu den Kaufleuten gebracht und dort angeboten. Einer, dieser Kaufleute war der Mailänder Ferdinando Rossi. Rossi grübelte früh über eine Pfeifenfabrikation in Italien, die sich am erfolgreichen Vorbild der Franzosen in St.Claude orientieren sollte.

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Rossis Besuch, 1880, eben in diesem St.Claude, brachte den Stein ins Rollen.
Zwar waren die Franzosen nicht gerade darauf erpicht, einen italienischen Mitbewerber zu unterstützen, doch Rossi gelang es, auf abenteuerliche und schwierige Weise, Maschinen in Frankreich zu erstehen, die er zudem noch nach seinen Ideen umbauen ließ. Daheim, in der Provinz Varese, genauer in Barasso, erstand er ein Riesengrundstück und dort entstand 1886 die Pfeifenfabrikation Rossi. Größtes Problem war der Mangel an Fachkräften. Doch Rossi suchte sich persönlich dreißig Handwerker aus fremden Berufen und startete so erfolgreich, dass man bald an den Export denken
und 1892 stolz verkünden konnte, die erste Pfeife nach Brasilien exportiert zu haben.
Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr. Nahezu überfuturistisch muss Rossis Fabrik den Zeitgenossen vorgekommen sein. Wasserkraftturbinen sorgten für Maschinenstrom, für Beleuchtung und Heizung. Nahezu unvorstellbar, noch vor der Schwelle zum 20. Jahrhundert.Rossis Siegeszug war nicht aufzuhalten, 1903 schon gehört sein Unternehmen zu den zehn größten der Welt. Sein Beispiel macht in und um Varese Schule. Ceresa, Santambrogio, Lana (später Lorenzo) und Rovera gründen Unternehmen in direkter Nachbarschaft. Rossi ist maßgeblicher Grund, dass heute Firmen, wie Ascorti, in und um Varese angesiedelt sind.

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Der erste Weltkrieg bremst Rossi, doch schon 1918 tritt Leonida Rossi, der Sohn, mit ins Unternehmen ein. Bis 1939, dem Beginn des zweiten Weltkrieges, wird die Pfeifenfabrikation Rossi zur Nr.1 in der Welt. Man unterhält eigene Werke für Mundstückmaterialien, riesige Läger für Hölzer und Metalle. Die USA sind Abnehmer Nr.1 und 1936, zum 50.Firmenjubiläum gelingt der Weltrekord für die Ewigkeit. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten 860 Menschen für Rossi, zu 95% Frauen und man produziert unfassbare 50000 Pfeifen pro TAG (!!!). Das soziale Gefüge des Unternehmens ist weltweit einzigartig. Es gibt eine eigene Klinik für die Beschäftigten, ein Warenhaus, in dem sie zu subventionierten Preisen einkaufen können, einen Firmenkindergarten und ein Ferienheim, in dem die Kinder der Angestellten Urlaub machen können. Rossi ist zu einem Imperium geworden.
Doch, mit dem Eintritt Italiens in die Kriegshandlungen beginnt der langsame Niedergang.

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In den Nachkriegsjahren ändert sich das Rauchverhalten. Immer mehr verdrängt die Zigarette die Pfeife, neue Mitbewerber erscheinen auf dem italienischen Markt…Castello, Brebbia, Savinelli. Sie sind nun die junge Generation, sie bestimmen den Lauf…und bei Rossi hat man grosse Probleme, sich dem geänderten Markt anzupassen, trifft falsche Entscheidungen und unterlässt z.B. eine Straffung des Angebotes.Man verliert sich noch in den 70ern in 800 verschiedenen Modellen, unzähligen Shapes und allen Linien, zwischen Maschinenpfeife und reiner Handmade. Die zusätzlich aufkommende Konkurrenz aus Dänemark tut das Übrige. 1985 kommt das Aus für Italiens Pfeifenpionier, Rossi schliesst die Pforten. Das unrühmliche Ende einer gigantischen Erfolgsgeschichte. Vielleicht würde sich nicht einmal mehr jemand an den Namen erinnern, wenn…ja, wenn nicht Achille Savinelli soviel Hochachtung vor dem Vorbild Rossis gehabt hätte.
Savinelli kaufte kurzerhand die Rechte am Namen. Diesem Umstand und der persönlichen Freundschaft zwischen Savinelli und Rossi verdanken wir die Tasache, heute wieder Rossi-Pfeifen kaufen zu können, als Zweitverwertungslinie von Savinelli. Wer noch „echte“ Rossis im Angebot findet, bekommt für ein paar Euro gut verarbeitete, meist filterlose Pfeifen aus recht gutem Holz. Vornehmlich klassisch geshaped und eher zart. In jedem Fall bekommt man bei einer Rossi viel solide Pfeife fürs Geld. Das gilt für die kaum gefragten Originale genauso, wie für die modernen Hommage-Serien aus dem Hause Savinelli!

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