Gutes aus zweiter Reihe- SVENDBORG

Ende der sechziger Jahre waren „Fancy-Pipes“ in den USA extrem angesagt!
Große Stücke, starke Winkel, viel Borke…immer wieder leicht variiert.
Die Firma von Erik Nørding gehörte zu den Manufakturen, die mit dieser Mode gutes Geld verdiente. Zwei junge Pfeifenmacher, die für Nørding arbeiteten, waren vom ewig gleichen „Fancy-Kram“ allerdings ziemlich angenervt. Sie wollten viel lieber klassische Pfeifen und ihren eigenen Stil bauen. So beschlossen Jens Tao Nielsen und Poul Ilstedt, ihre eigene Firma zu gründen. Glücklicher Zufall, dass sie dabei an einen fähigen Bänker gerieten, der inniger Pfeifenliebhaber war.

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Henrik Jørgensen hing kurzerhand das Bankgeschäft an den Nagel, erfüllte sich den Traum, Pfeifenmacher zu werden und eröffnete, zusammen mit Poul und Tao, in den frühen 70ern auf der Insel Fünen eine eigene Manufaktur. Genauer in SVENDBORG.
Der Firma Svendborg Piber ging es rasch recht gut, nachdem die ambitionierten Neulinge auf einer Deutschlandreise Detlef Seiffert kennenlernten.
Seiffert, großer Kenner des Marktes und Seniorchef der bedeutenden „Seiffert Import“ in Kassel, machte SVENDBORG Pfeifen in Deutschland und im Ausland sehr schnell zur gefragten und gut gemanagten Marke.

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Schon nach wenigen Monaten arbeiteten 17 angestellte Pfeifenmacher für SVENDBORG. Doch schon nach knapp zwei Jahren erklärte Ilstedt seinen Ausstieg. Er sei es leid, Serienpfeifen zu machen und kehre zurück zu Nørding! Eine seltsame Argumentation. Gab es doch für die führenden Macher bei SVENDBORG quasi keine Beschränkungen. Die Pfeifen aus den ersten Jahren gelten heute unter Kennern als die innovativsten und besten Pfeifen aus dänischer Produktion. Der Weggang von Ilstedt wurde, dank der guten Arbeit von Tao und seinen Leuten und dem cleveren Management von Seiffert aber gut verkraftet.
Die Verbindung war übrigens so intensiv, dass Seifferts Sprössling, Jan Harry Seiffert im Alter von sechs Jahren die SVENDBORG-Manufaktur in den Ferien besuchte und dort unter Taos Anleitung seine erste Pfeife baute. Er soll sie auch geraucht haben…mit entsprechenden Folgen! 🙂
SVENDBORG blieb erfolgreich durch die Jahre hindurch, bis es 1981 Unstimmigkeiten über die Abhängigkeit vom U.S.- Markt zwischen Tao und Jørgensen gab, woraufhin Tao die Firma verließ.
Jørgensen machte allein weiter,immer noch auf gutem Niveau, verkaufte aber, nicht zuletzt aus Altersgründen, Mitte der 90er den Namen an Seiffert, die ihn wiederum 2000 an Planta abgaben.
So blieb von einer großen Manufaktur nur der Name.

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Wer heute eine, der gut gefertigten SVENDBORG sucht, sollte nicht mehr auf Schnäppchen hoffen. Die soliden, gern aber auch mal gekitteten Dänen sind so ab 25 Euro zu finden. Besondere Shapes, gern auch mit Silbermontur, erreichen schon Preise um 80 Euro…und wer gar eine, von Tao oder Ilstedt signierte Pfeife sucht, sollte mit 2-300 Euro rechnen.
In jedem Fall erhält man eine wertige, dänische Pfeife mit großer Geschichte…sowas gibt es eben nicht nur von Stanwell!

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