NORTHERN BRIARS – Englischer geht es nicht !

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1922 hatte sich die Firma DUNCAN bereits einen Namen gemacht, unter den Pfeifenproduzenten des englischen Königreichs. Vier Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs waren die Zeiten immer noch schwierig, einige Hersteller hatten zu kämpfen, doch bei DUNCAN lief es gut. So gut, dass man nach und nach junge Leute für die Produktion einstellte. Einer davon war George Walker. Er kam gut zurecht und wurde ein angesehener Mitarbeiter. Zunächst in der Produktion, später als Vorarbeiter und zum Schluss als Produktionsleiter bestimmte er 36 Jahre lang die Geschicke der DUNCAN BRIARS LTD. maßgeblich mit.

1958 beschloss George aber, sich zusammen mit seinem Sohn Peter auf eigene Füße zustellen. Sie gründeten den „Northern Briar Pipe Repair Service“. Dank Georges guter Verbindungen zu den Pfeifenhändlern und –herstellern liefen die Geschäfte bald schon recht schwungvoll und die Firma galt 25 Jahre lang als die erste Adresse für Pfeifenreparaturen im Königreich. Zudem fertigte man eine kleine Anzahl eigener Pfeifen an. 1972 beendete der jüngste Spross der Familie, Georges Enkel und Peters Sohn Ian die Schule und stieg in den Familienbetrieb ein.

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Der junge Ian Walker bei der Arbeit, angeleitet und unterstützt vom Großvater.

Die ersten Jahre, so erzählt Ian heute, waren keine Herrenjahre. Seine vordringlichen Tagesaufgaben bestanden darin, für Großvater und Vater Tee zuzubereiten, die Werkstatt zu pflegen und sauber zu halten. Danach aber lernte er, die reparierten Pfeifen zu polieren und sein Großvater unterwies ihn in der Fertigung neuer Silberringe.

Der junge Ian lernte schnell und gut, übernahm immer mehr Aufgaben und Verantwortung und galt zu Beginn der 80er Jahre als der Top-Reparateur in Großbritannien. Im Jahre 1983, so erzählt er, kam ihm erstmalig der Gedanke, eigene Pfeifen anzufertigen. Ihm ging es da ähnlich, wie Sixten Ivarsson. Durch lange Jahre der Reparaturen und Instandsetzungen von Kundenpfeifen hatte er ein sehr klares Bild davon, wie eine gute Pfeife beschaffen sein sollte. Er begann also, selbst welche zu bauen und als seine Eltern etwa zeitgleich ein Tabakwarengeschäft in Heaten Moor, Stockport, etwas außerhalb ihrer Heimatstadt Manchester, übernahmen, stellte Ian seine Pfeifen dort zum Verkauf aus. Das lief so gut, dass seine Arbeiten bald schon über die Grenzen Manchesters hinaus bekannt und gefragt waren.

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Klassische Poker in Ian Walkers wundervoller Rustizierung, dem „Rox Cut“

Letzte Zweifel, ob es der Weg der Zukunft sein könnte, zerstreute ein langes Gespräch mit Bill Ashton-Taylor, dem Gründer von „Ashton Pipes“, der Ian ermutigte, diesen Weg zu gehen.

So nahm die Geschichte ihren Anfang. Im Laufe der Jahre hat sich bei Ian Walker manches geändert…die Pfeifenformen allerdings nicht. Walker sagt dazu: „Manchmal beginne ich am Morgen mit dem Vorhaben, in die nächste Pfeife ein wenig italienische oder dänische Formensprache einzubringen, um etwas anderes zu schaffen…doch, am Abend ist daraus doch wieder eine englische Pfeife geworden. Eine klassische Form ist ja nicht umsonst zu einer klassischen Form geworden. So unterscheiden sich meine heutigen Pfeifen kaum von dem, was mir schon 1983 das Liebste war.“

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Ian und seine Frau Kationa auf der Intertabac in Dortmund…auch hier entspannt, freundlich und herzlich, wie immer.

Sonst änderte sich vieles. 1997 kaufte Ian, gemeinsam mit seiner Frau Kationa, ein echtes, englisches Kanalboot aus dem 19.Jahrhundert. Die „NB SABLE“ . Sie ist 21 Meter lang, knapp 2,50 Meter breit, sie ist für die Walkers die meiste Zeit des Jahres das Zuhause und beherbergt auch noch Ians Werkstatt. Ein ungewöhnliches Heim für ein ungewöhnliches Paar. Wer das Vergnügen hat, die Eheleute Walker kennenzulernen, trifft auf sehr offene, liebenswerte und stets interessierte Menschen. Doch, auch wenn sich Ian, mit seinen fast 62 Jahren, langsam dem Pensionsalter nähert…allzu oft trifft man die Walkers auf ihrem schwimmenden Zuhause nicht an.

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Die „NB SABLE“, Heim und Werkstatt der Walkers.

Einen großen Teil seiner Pfeifen fertigt Ian für Pfeifenclubs auf der ganzen Welt an. Von Norwegen und Finnland, über Spanien, bis in die USA sind seine Pfeifen als „Club-Pipes“ sehr beliebt…und zu deren Auslieferung sind die Walkers meist selbst vor Ort. Dazu kommen Messen und Pipe-Shows auf der ganzen Welt. Ian sagt, dass es ihn inzwischen manchmal etwas müde mache, das Schönste am Pfeifenbau bleibe für ihn aber das Reisen.

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Very english, indeed !

Bemerkenswert ist, wie volksnah, trotz der großen Nachfrage, seine Preise geblieben sind. Selten übersteigen seine Pfeifen im Handel die 400 Dollar-Grenze, die meisten Stücke bewegen sich um 200 Dollar. Nur aufwendig handgeschnitzte Arbeiten, wie sein berühmter „Sea Urchin“ überschreiten die Grenze nach oben deutlich, entstehen aber auch in langen Stunden geschickter Schnitzarbeit. Sein Holz bezieht Ian vornehmlich von Mimmo Romeo und die Mundstücke sind natürlich aus Cumberland oder schwarzem Ebonit handgeschnitten.

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Die extravagante „Sea Urchin“. Ein arbeitsintensiver Klassiker von Ian Walker.

 

Im letzten Jahr hatte „Northern Briars“ 60jähriges Jubiläum, Ian fertigt seit 35 Jahren Pfeifen an…und doch, so sagt er, könne er sich nichts anderes, nichts schöneres vorstellen.

Einen Traum hat er als Pfeifenbauer aber noch. „ Ich möchte“, so Ian,“ eine Form innerhalb der englischen Shapelines finden, die noch niemand gemacht hat. Können sie sich das vorstellen? Eine Form, die neu aber klassisch ist? Die jeder haben möchte? Das ist, wie der verlorene Akkord der Musik. Das wäre was…“

Ian Walker…Urgestein der (echten) englischen Pfeife, Pfeifenmacher der Extraklasse, liebenswerter Mensch und auch nach 35 Berufsjahren immer noch ein Visionär ! Großartig !

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