BBB – Eine englische Erfolgsgeschichte

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Die Geschichte begann etwas verworren, für die Söhne der deutsch-jüdischen Familie Frankau aus dem Mittelfränkischen. Den ältesten Bruder, Joseph Frankau , zog es schon 1837 nach England. Er verwirklichte seinen Plan, sich in London mit einem kleinen Geschäft selbstständig zu machen, wo er zu Beginn noch nicht mit Cigarren handelte, die hohe Nachfrage daran aber sein Interesse weckte.

Seine jüngeren Brüder Adolph und Nathan zog es sieben Jahre später ebenfalls in die weite Welt. Sie segelten auf einem Schiff nach Amerika, wo sie offiziell am 01.04.1844 in New Haven, Connecticut, als Einwanderer registriert wurden. Doch, für Adolph wurde die neue Welt nur vorübergehend zu einer Heimat. Schon drei Jahre später fuhr er von dort nach England, um bei seinem Bruder Joseph ins, mittlerweile florierende, Cigarrengeschäft einzusteigen. Kurze Zeit später gründeten sie dort, gemeinsam mit einem weiteren Geschäftsmann, Louis Feldman, eine Handelsgesellschaft, der aber keine lange Existenz beschieden war. Nach der Trennung von Feldman kam es zur Gründung der „Adolph Frankau und Co.LTD.“ Sinn des Unternehmens war, Meerschaumpfeifen zu importieren, die seinerzeit der letzte Schrei waren und mit sogenannten „Fancy Goods“ zu handeln. Das waren sowohl Raucherbedarfsartikel, als auch Lederwaren und auch Kleinstmöbel. Dinge, die man gut an die vielen, kleinen Läden im damaligen London weiter verkaufen konnte.

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Frühe „Companion“- Schatulle, mit zwei Army-Modellen feinster Holz-und Silberqualität

 

Kurze Zeit später nahm man sich eines Jungen von 14 Jahren an, gab ihm Unterkunft und Arbeit. Der Name dieses Jungen sollte bis zum heutigen Tage Pfeifengeschichte schreiben: Louis Blumfeld.

Man schrieb das Jahr 1852 und der junge Louis wuchs rasch zu einer guten Kraft und zu einem Vertrauten von Adolph Frankau heran. Die Zukunft schien gesichert, doch schon vier Jahre später starb Adolph Frankau überraschend, im Alter von nur 35 Jahren.

Hier hätte sich das Schicksal des, mittlerweile sehr gut laufenden, Unternehmens entscheiden können, denn die Witwe von Adolph neigte, in all`der Trauer und Konfusion, zu der Entscheidung, das Geschäft zu verkaufen. Das Liebhaber in aller Welt trotzdem bis heute die Pfeifen des Hauses genießen können, verdanken sie einem berühmten Schriftsteller und Mathematiker.

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THOMAS CARLYLE

Thomas Carlyle war zum damaligen Zeitpunkt ein guter Freund der Familie Frankau. Was er der Witwe riet, wäre sogar in heutigen Zeiten ungewöhnlich. Für damalige Verhältnisse war der Rat aber sehr gewagt und erregte einiges Aufsehen. Carlyle scheint ein guter Menschenkenner gewesen zu sein. Er hatte sich die Entwicklung des jungen Louis Blumfeld genau betrachtet und gab der Witwe den Rat, die Angelegenheiten der Firma in seine Hände zu geben. Ein achtzehnjähriger Firmenchef ?

Eine mutige Entscheidung, die da die Witwe Frankau traf- aber goldrichtig, wie sich herausstellen sollte.

Blumfeld stürzte sich mit enormer Energie und Übersicht in die Geschäfte. Im Laufe der Jahre erkannte er auch die zunehmende Bedeutung der Bruyere-Pfeife und importierte seine Modelle aus Frankreich, um damit den englischen Markt abzudecken. Er baute weitreichende Auslandskontakte auf, schuf Büros und Niederlassungen in Kanada, Neuseeland, Australien,Indien und den USA. Innerhalb Europas entwickelte er besondere Beziehungen nach Dänemark und in die Schweiz. Wohl der Grund, warum die Pfeifen des Hauses bis zum heutigen Tag dort sehr gefragt sind und entsprechend hohes Ansehen genießen. Die FRANKAU & CO. begann ebenfalls damit, Calabash-Pfeifen zu produzieren. Dazu importierte man die Kürbisse aus Südafrika. Ein Markt, der zunehmend schwierig wurde, da auch andere Firmen in England diesen Pfeifentyp fertigten. Während die Mitbewerber aber Köpfe aus französischem Gips oder gar Asbest einsetzten, kam bei FRANKAU nur Meerschaum in Frage. Das machte ihre Calabashen zu den gefragtesten am Markt.

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Die berühmten BBB-Calabashen. Aufgrund ihrer herausragenden Qualität bis heute gefragte Sammlerstücke !

 

Kurz vor der Jahrhundert-Wende musste Blumfeld einsehen, dass er die Nachfrage nach Bruyere-Pfeifen nur noch durch eigene Produktion decken konnte. Innerhalb kurzer Zeit entstanden neue Exportbüros, eine Verwaltung und seine Pfeifenfabrik im Londoner Stadtteil Homerton.

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Die „GLOKAR“ , gedacht als Peterson-Konkurrenz.

Das war nicht nur die Geburtsstunde des Diamanten mit den drei B. Gut, BBB (Blumfelds Best Briar) wurde rasch die bekannteste Marke, doch auch „Captain Kidd“ oder „Fairway“ waren Pfeifenmarken des Hauses FRANKAU, ebenso, wie „Glokar“, die mit ihrem Syphon sehr an Petersons Patentpfeifen erinnerten und wohl auch mit ihnen in Wettbewerb treten sollten.

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Der BBB-Diamant im Wandel der Zeit

Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges hatte FRANKAU & CO. auch die Vertretung der „Ropp“-Pfeifen für England und die Staaten der Krone inne.

Die Nachkriegsjahre und das folgende Jahrzehnt war für die gesamte Pfeifenbranche eine schwierige Zeit. Wie bei etlichen Mitbewerbern auch, geriet Blumfelds Arbeit in Gefahr, FRANKAU&CO. wankte.

Um einen Zusammenbruch der Pfeifenindustrie zu verhindern, kam es 1930 unter der Regie der Firma „Oppenheimer und Co.“ zum Zusammenschluss der Firmen FRANKAU & CO., Comoys of London, Dr.Plumbs und Loewe and Co. unter dem neuen Namen „Cadogan Investments Ltd.“ in London.

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Zu diesem Zeitpunkt endete also die Eigenständigkeit, der einst als „Adolph Frankau und Co.“ gegründeten Firma. Das Markenzeichen BBB wurde bereits 1876 eingetragen. Es stand zunächst für Blumfelds Best Briar , nach seinem Tode wechselte man auf die Bezeichnung British Best Briar.

FRANKAU & CO. hatte eine bewegte Firmengeschichte und hat manchen Akzent in der Pfeifenwelt gesetzt. So gilt es als gesichert, dass im Unternehmen die ersten Pfeifen produziert wurden, die einen Papierfilter aufnehmen konnten. Diese Pfeifen liefen unter der Zweitmarke „Mackenzie“ und wurden warscheinlich in Irland hergestellt. Die „Mackenzies“ gab es als Marke bis in die 60er Jahre des 20 Jh. Ebenso wird FRANKAU & CO. die erste Verwendung der Bezeichnung Lovat zugeschrieben. Die Pfeifen mit dem langen Holm und dem kurzen Mundstück wurden nach Oberst Henry Francis Fraser , dem Lord of Lovat, benannt und schon vor 1914 als BBB vermarktet.

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FRANKAU & CO. fertigte bis zu zwanzig Pfeifenlinien, arbeitete früh mit schmückendem Silber und Etuis, nutzte Bernstein und Horn für besondere Mundstücke. Kurz, man war sehr rührig, um den jeweiligen Zeitgeschmack des anspruchsvollen Rauchers zu treffen.

Zum Ende des ersten Weltkriegs versiegte zwar die Bezugsmöglichkeit für afrikanische Kürbisse, die Calabash-Produktion wurde herunter gefahren, um das Jahr 1922 kam aber eine weitere Einnahmequelle hinzu. Belegen zufolge fertigte man Köpfe für Dunhill, die dort an den größeren Pfeifenlinien verwendet wurden.

Kaum bekannt ist der wirkliche Grund, der Blumfelds Unternehmen ins Wanken brachte. Über all`die Jahre hinweg handelte man auch im großen Stil mit Textilien. Dieser Markt war in der Nachkriegszeit besonders heikel und hier hat FRANKAU & CO. in dieser Zeit manch` schweren Verlust hinnehmen müssen, der letztlich zur finanziellen Schieflage und zum Beinahe-Bankrott von Blumfeld führte.

Wie aber ging es nun nach 1930 weiter? Nun, die Frankau-Fabrik in Homerton ging an „Marechal Ruchon & Co“( in den 70ern umbenannt in „Fairfax Traders“), dort wurden in den folgenden Jahrzehnten die klassischen BBB`s gefertigt, mit Silberring und im Etui.

BBB wurde aber zusätzlich im Cadogan-Verbund als eigene Marke aufrecht erhalten und kümmerte sich vornehmlich um die Entwicklung bei System-Pfeifen und um Design-Fragen.

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In den ersten Jahren kam es immer wieder zu Problemen und Unstimmigkeiten, nicht zuletzt durch nicht mehr ausreichende Maschinenparks und organisatorische Ärgernisse.

Daraufhin errichtete man in Stratford ein neues Werk, ausgerüstet mit wesentlich effizienteren und genaueren Zuckerman-Maschinen. Um diese Zeit war es übrigens üblich, dass Firmen untereinander überzählige Köpfe tauschten. So kam es zu der grotesken Situation, dass Cadogan seine Köpfe erster Qualität an Dunhill verkaufte. Das war lukrativer, als aus diesen Köpfen selbst Pfeifen herzustellen.

Man sieht, auch zu damaliger Zeit waren die Gepflogenheiten des Marktes für Außenstehende nicht unbedingt verständlicher, als sie es heute sind.

 

Mindestens bis in die 50er, 60er und auch noch in die 70er Jahre hinein bewahrte man den BBB-Pfeifen ihre urenglische Pracht. Danach jedoch fiel auch BBB mehr und mehr den neuen Marktgesetzen zum Opfer. Abstriche an den Rohwaren, um den Gewinn zu erhöhen, zunehmender Mainstream bei den Formen und Ausführungen, um besser massenverkäuflich zu sein, Produktionsverlegungen ins günstigere Ausland…all`diese Dinge hat auch BBB bis zum heutigen Tag durchleben müssen. Den Firmenverbund Cadogan gibt es immer noch, mittlerweile ist er aber längst zum Geschenkartikel-Handelshaus mutiert.  Branchenfremde Manager quälen sich förmlich mit den, so in Ungnade gefallenen, „bösen“ Pfeifen herum. Wer die gesichtslose Massenware betrachtet, an der heute die stolzen drei B`s  prangen, ertappt sich bei dem Wunsch, dass Cadogan diese Marke hätte spätestens zum Ende der 70er Jahre einstellen sollen.

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Aktuelles BBB-Modell. Schwer zu glauben, aber wahr !

Kein Wunder also, dass es heute so viele Enthusiasten gibt, die der alten Pracht der BBB-Pfeifen anhängen und hinterher forschen. Gerade die Frankau-Pfeifen scheinen Hobby-Pfeifenhistoriker immer wieder magisch anzuziehen. Allerdings haben diese Forscher ähnliche Probleme, wie ich sie beim Verfassen dieser Geschichte hatte. Dem geneigten Leser werden viele Vermutungen und Warscheinlichkeitsbehauptungen im Text aufgefallen sein. Das hat leider einen, traurigen Grund.

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Die meisten, der alten Geschäftsbücher und historischen Unterlagen zum Thema Adolph Frankau, Louis Blumfeld und BBB wurden bei den Luftangriffen auf London, im Sommer 1940, ein Raub der Flammen. Nur wenige Informationen und Fragmente haben die Zeit in Privathand überstanden. Sie dienen zum Glück heute dazu, die Firmengeschichte zumindest grob erfassen zu können. Doch etliche Fragen werden für immer unbeantwortet bleiben und nur Vermutungen und detektivische Schlussfolgerungen können da aushelfen. Das ist leider nicht nur bei BBB der Fall, sondern auch bei anderen, bedeutenden Firmen des einstmaligen Königreichs der Pfeifen. Doch dazu zu späteren Zeitpunkten mehr.

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