CHARLES RATTRAY – Ein schottisches Original

300px-CRsrPorträt

Im Jahre 1903 arbeitete ein junger Mann von 23 Jahren für die Fairweather-Tabakfabriken im schottischen Dundee. Seine Firma mischte Tabake für die ansässigen Händler und stellte auch eigene Marken her. Hier lernte er, der von Tabak begeistert war, das Handwerk von der Pike auf. Er rippt Tabakblätter,schneidet, aromatisiert, presst, röstet und verpackt. Doch, auch wenn er so seinem Freund, dem Tabak so nah, wie möglich ist- sein Traum ist ein anderer. Eine eigene kleine Tabakfabrik mit einem Laden. Nicht irgendwo, sondern an der Hauptgeschäftsstraße seiner Heimatstadt Perth, die seinerzeit das Zentrum schottischer Tabakproduktion ist.

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Dort, in der High Street 158, gab es seit 1854 „Brown`s Tobacco“, ein gut eingeführtes Tabakgeschäft, bei dem der junge Charles Rattray kurzerhand anheuerte. Er ist klug und hat eine Hand für Tabak, verinnerlicht die Feinheiten des Geschäfts recht rasch und entwickelt für Brown`s eigene Tabakmischungen, die gut bei der Kundschaft ankommen. Im Jahr 1911 ist er soweit, dass er die Gebäude übernimmt . Fortan prangt der Name Charles Rattray über der Tür und das wird sich auch nicht ändern, bis sich Charles jr. ,der das Geschäft später vom Vater übernimmt, 1980 zur Ruhe setzt.

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Doch zurück ins Jahr 1911. Für Rattray steht zu diesem Zeitpunkt fest, dass nur Mischungen aus den besten Tabaksorten der Welt es wert sind, seinen Namen zu tragen.  „Ich stelle nicht jeden Tabak für jeden Raucher zu jedem Preis her. Indem ich exklusiv bin, verkaufen sich meine Mischungen. Sie zeugen von besonderem Geschmack, von verführerischer Güte. Tabake für Kenner, eben“, lässt er kurz nach Ladenübernahme verlauten. Wem das als zu snobistisch erscheint, möge sich vor Augen führen, dass manche Unternehmen verschiedener Branchen auch heutzutage recht radikal „die Hochpreisschiene fahren“, wie es in neuem Unternehmer-Deutsch heißt.

Rattray weiß jedenfalls was er will und ist von seinen Produkten überzeugt. Ebenso hat er ein klares Kundenbild vor Augen. Zum „Red Rapparee“, einer, seiner ersten Mischungen, die bis heute hergestellt wird, heißt es in einem Faltblatt von 1913: „Unter den Tabaken stellt dieser die Elite dar. Er ist nichts für jene, die sich nur für etwas Besseres halten!“ Gut gebrüllt, Löwe…

Sein erstes Tabakprogramm, das Rattray noch vor dem ersten Weltkrieg präsentierte, enthielt sechs Tabake. Der erwähnte „Red Rapperee“, der „Black Mallory“, der „7 Reserve“, dazu kamen „Accountance“, „Professional“ und, sehr erstaunlich, der“ Old Gowrie“. Erstaunlich deshalb, weil der Gowrie ein Flake war. Nach damaliger Überzeugung rauchte der Gentleman aber zubereitete Mischungen. Tabak zu zerkleinern, ihn gar von einem Block oder einem Twist zu schneiden, blieb der Arbeiterklasse vorbehalten, die sich die zusätzlichen Kosten für die Aufbereitung sparen musste und das selbst übernahm. Twists, Ropes, Plugs und sogar Flakes galten lange als Tabake der armen Leute.

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Da aber diverse Gentlemen keinen Latakia mochten, bot Rattray den „Old Gowrie“ kurzerhand als Ready Rubbed an, so, dass sich die bessere Rauchergesellschaft die schändliche Handarbeit ersparen konnte.

Rattrays Ansehen wuchs, die Nachfrage stieg und nach und nach ergänzten weitere Mischungen und aufbereitete Virginias das Angebot. Es folgten „Jocks Mixture“, „3 Noggins“, „Brown Clunnee“, „Hal`o the Wynd“, „Dark Fragrant“, „Black Virginia“ und der „Marlin Flake“.

Die blumigen und phantasievollen Namen, die bis heute Markenzeichen der Rattray-Tabake sind, zeugen von Charles Rattrays großer Liebe zu schottischer Literatur und Geschichte. Vor allem die Geschichten und Novellen von Scott und Stevenson hatten es ihm angetan.

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Der poetische Charles Sen. starb im Jahr 1964 und Charles Junior übernahm die Geschäfte. Er war mehr an Kassenbüchern, als an Romanen interessiert und investierte viel Mühe, die Geschäfte auszubauen. Mit Tabaken von Wills of Bristol und Fribourg&Treyer fanden Marken ins Angebot, die eben nicht nur den „Gentlemen“ vorbehalten waren, es kam ein ansehnliches Cigarrenportfolio dazu und die ehrwürdige Pfeifenmanufaktur BARLING fertigte eine Serie von Rattray-Pfeifen.

1980 schloss Charles Junior den Laden, vier Jahre später starb er. Seine Töchter, Gillian und Terry, waren bemüht, die Produktion der Tabake aufrecht zu erhalten. Diese wurden schon seit Schließung des Rattray-Unternehmens von Robert Mc Connell in London gefertigt und das blieb beinahe zehn Jahre so, bis Mc Connell 1989 von Kohlhase und Kopp in Rellingen übernommen wurde. Die Rattray-Erbinnen akzeptierten den Wechsel auf deutschen Boden nicht nur, sie forcierten auch die Idee, dem Angebot ein paar zeitgemäße Mischungen hinzuzufügen. So entstanden zum Beispiel „Bagpipers Dream“ und „Sweet Fragrant“ unter der Regie von K&K. Die klassischen Rattray-Mixturen werden aber immer noch nach den Original-Rezepten von Charles Rattray, dem Firmengründer, gefertigt.

Sein Pfeifentraum lebt also noch immer !

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