DIE BANG-BOYS

Ein Soziologe, ein Elektriker und ein Pfeifenmacher, der nicht wirklich einer war und der zur tragischen Figur einer erfolgreichen Geschichte wird. Doch, der Reihe nach !

In den 60er Jahren arbeitet Svend Bang eine Zeitlang für W.O.Larsen in Kopenhagen, bevor er beschließt, sich mit einem Wein- und Tabakhandel selbstständig zu machen. Pfeifen machen kann er allerdings nicht, weshalb er den gelernten Elektriker Per Hansen ins Geschäft holt. Hansen gilt, nachdem er für Hans Hartmann und Preben Holm gearbeitet hat, mit seinen 22 Jahren als junges Pfeifentalent. Kurz darauf engagiert Bang auch Ulf Noltensmeier, der eigentlich Soziologie studiert hat, durch die Arbeit mit Anne Julie und ebenfalls für Preben Holm ( von wo er Per Hansen bereits kennt) aber auch beachtliches Talent für die Pfeife erkennen lässt.

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Schnell ist klar, dass Bang von Pfeifen keine Ahnung hat, so nehmen sich Noltensmeier und Hansen dem Aufbau einer Qualitätsmarke an und tauschen sich viel mit Hedegaard, Björn of Sweden, Teddy Knudsen und Poul Winslow aus, denn man kennt sich aus gemeinsamen Zeiten in der Werkstatt von Preben Holm. Im Jahr 1984 übernehmen sie den Namen BANG und untersagen Svend Bang, weiterhin Pfeifen unter seinem Namen zu vertreiben, weil diese Pfeifen nicht dem Qualitätsanspruch genügen, den Per und Ulf für die Marke Bang klar und unverrückbar festgelegt haben. Fragt man die beiden Perfektionisten, wer sie am meisten beeinflusst hat, fällt sofort der Name Sixten Ivarsson. Seinem, innovativen Design, seinem Anspruch, seinem Esprit fühlen sie sich verpflichtet. So kam es, dass sowohl Ulf Noltensmeier als auch Per Hansen heute zur absoluten Pfeifenmacher-Elite der Welt zählen, aber nicht unter ihrem eigenen Namen Pfeifen bauen. Allzu gewagtes Design oder gar Pfeifenskulpturen sucht man im Hause Bang vergeblich. Man fühlt sich eher bei der dänischen Klassik zuhause.

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Per Hansen (links) und Ulf Noltensmeier

Für den amerikanischen oder asiatischen Markt darf es gern mal etwas gewagter sein, der deutsche Markt verlangt hingegen eher nach Klassikern aus den Händen von Per und Ulf. Absolutes Hauptaugenmerk liegt auf der Technik. Eine Bang muss perfekt rauchbar sein, um den Ansprüchen zu genügen. Das gilt auch für die Holzqualität. Zwar strahlt Per Hansen einige Modelle auch und das auch noch in Perfektion, die Vorliebe gilt aber klar den glatten Exemplaren in hoch-und höchstwertiger Straight Grain Qualität. Nicht leicht zu finden, deshalb stapeln sich in der großen Kiste in der Werkstatt auch viele, halbfertige, aber mit Qualitätsmängeln aufgegebene Pfeifen. Ein Blick in diese Kiste würde Pfeifenmachern mit nicht ganz so extremem Qualitätsanspruch die Tränen in die Augen treiben. Hier aber ist Topklasse absolutes Prinzip.

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Wer allerdings glaubt, die beiden würden ihre Pfeifen gemeinsam bauen, der irrt. Jeder schafft für sich, an seinen Maschinen, nur bei Planung oder Designideen ist ein kreatives Miteinander üblich. In der Freizeit geht man ebenfalls getrennte Wege. Jeder hat seine Familie und man ist zu Recht der Meinung, dass wöchentlich 40 gemeinsame Arbeitsstunden ( und das immerhin seit 48 Jahren!) ausreichend sind. Wohl auch deshalb ist diese „Ehe“ derart erfolgreich und der Name Bang das Gütesiegel für gemeinsamen Erfolg. Nur für die USA gab es gelegentlich Pfeifen, die mit U.N. oder P.H. gestempelt waren. Ansonsten gilt, getrennt zu marschieren für einen gemeinsamen Weg. Bleibt zu hoffen, dass der noch ein Stück weiter führt. Immerhin werden beide Herren in diesem Jahr 70 Jahre alt.

Unbenannt

Übrigens rauchen Per Hansen und Ulf Noltensmeier selbst Pfeife…aber keine Bang. Die wären ihnen bei der Arbeit in der Werkstatt dann doch zu schade. So glimmen Noltensmeiers schwerer Latakia und Hansens milde dänische Mischungen in zurechtgemachten Pfeifen aus der „Abfallkiste“. Apropos: Würden Sie auch so gern, wie ich, mal einen Blick in diese Abfallkiste tun ? Ich sehe, wir verstehen uns !

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