DIE „KLASSISCHE“ PFEIFE – Fortsetzung

…und was gibt es sonst noch so? Nehmen wir den Faden wieder auf und kümmern uns zunächst um die drei P !

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POKER

Die Namensfindung ist schwer zu klären. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass es den Bezug zum Kartenspiel gibt. Durch ihren planen Unterboden ist es möglich, sie beim Spiel zwischendurch einfach abzustellen. Der Begriff für diese, zylindrische Pfeifenform ist übrigens erst um die Wende zum 20.Jahrhunderts aufgekommen. Ihr Formvorbild dürften die, früher z.B. aus Kirschholz gefertigten Pfeifen sein, die ihr Shape einfach nur praktischen Gesichtspunkten verdankten.

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Ein dickerer Ast, von dem ein etwas dünnerer Ast abgeht. Passend geschnitten, ausgehöhlt- fertig. Poker mit gebogenem Holm ähneln dieser Urform immer noch sehr stark, woher sich dann auch die, oft für diese Form genutzte Bezeichnung „Cherrywood“ erklärt.

 

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POT

Wer die Pfeife sieht, braucht nicht viel Phantasie, um die Namensgebung zu verstehen. Der Kopf ist tatsächlich einem Topf nachempfunden. Zumeist handfest gefertigt, mit ordentlicher Holzdicke, ist sie nicht nur ein robustes „Gemütstier“, sondern eignet sich auch gut für Einsteiger.

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Die Pot kam erst nach dem ersten Weltkrieg auf, ist daher ein eher junges Shape, das seinen Ursprung in Belgien hat. Das dortige Tabakanbaugebiet und der, daher stammende Tabak hießen SEMOIS. Die große Pfeife, die man gern für diesen Tabak nutzte, war die POT SEMOIS.

 

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PRINCE

Viele Firmen nehmen für sich in Anspruch, dieses Shape erfunden zu haben. Der wahrscheinlichste Kandidat ist Dunhill. Als man dort das Shape zu bauen begann, war der Namensgeber, der Prince of Wales, nämlich dort bereits Kunde.

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Die Prince erscheint ebenfalls erstmalig im Programm von 1919, ist daher auch als „Youngtimer“ einzustufen. Ihr gedrungener, leicht „tomatiger“ Kopf macht sie, zusammen mit dem leicht gebogenen und langen Holm zu einer, höchst eleganten Erscheinung. Eine Variante, die etwas höhere Kopfwände aufweist und eher die Form eines Cognac-Schwenkers in klein hat, nennt sich (nomen est omen!) COGNAC und wurde von Barling hergestellt.

 

Einem Exoten wollen wir uns noch zuwenden und auch, wenn dieses Shape inzwischen nahezu völlig aus dem aktuellen Angebot verschwunden ist und von manchen Pfeifenfreunden sehr skeptisch betrachtet wird, gehört es zu den Ur-Formen.

 

TOPPER

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Im Ursprung war diese Form, die man bei uns auch als „CHIMNEY“ (Schornstein) kennt, sicher zweierlei. Einmal Ausdruck der etwas skurrilen Ader, die auch unsere altvorderen Shape-Pioniere hatten. Zum Zweiten aber wohl auch die erste Form der „Giant“. Der verlängerte Billiard-Kopf tauchte in den zwanziger Jahren zum ersten Mal in den Produktlinien auf und wurde für das längere Rauchvergnügen beworben. Bezeichnet als „TOPPER“ (Zylinder) fand die Form Einzug bei vielen Anbietern, gelegentlich auch als „EIFFEL-TOWER“ bezeichnet.

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Regelrecht Mode wurde diese Form, als Lorenzo Tagliabue sie für seine extravaganten LORENZO-Pfeifen entdeckte und sie als “ SKYSCRAPER“ in vielen verschiedenen Ausführungen anbot. Ein Shape, dass sich übrigens bis heute sehr für Crumble Cakes und Cube Cuts empfiehlt.

 

So, auch wenn die Liste der geraden Shapes noch lange nicht vollständig ist, muss eine Begrenzung stattfinden, um nicht auch diese Aufstellung ins Uferlose auszuweiten. Ich habe Ihr Shape vergessen? Schimpfen Sie auf mich…oder warten Sie…vielleicht taucht es ja noch auf. Denn jetzt wollen wir uns ein wenig um die Bents und die Sonderformen kümmern.

Beginnen wir mit den gebogenen Varianten, die sich in QUARTERBENT, HALFBENT und FULLBENT unterscheiden lassen. Stellen sie sich einfach eine Apple mit geradem Holm vor. Biegen wir nun den Holm bis auf etwa halbe Kopfhöhe, dann ergibt das den Bereich, in dem man von einer Quarterbent spricht. Die halbe Höhe und den Bereich etwas darüber hinaus nennt man gewöhnlich Halfbent und alles, was dann bis zur vollen Biegung folgt ist die Fullbent…wobei Übergänge und Bezeichnungen fließend sind und sich trefflich darüber diskutieren lässt, was nun noch Quarter und was schon Half ist. Die Bezeichnungen der jeweiligen Pfeifen erfolgt dann nach einer Art Bausatz. Wir sehen einen Apple-Kopf und einen leicht gebogenen Holm und wissen, dass wir eine Quarterbent Apple vor uns haben. Mit diesem Bausatz etwas zu spielen und so Shapes zu bestimmen, macht besonders Einsteigern in diese Materie großen Spaß. Später erfolgt diese Bestimmung durch entsprechende Übung quasi automatisch. Es wäre so einfach, wenn…ja, wenn es auch da nicht wieder Ausnahmen gäbe. Die erste Ausnahme ist allerdings eine Haarspalterei, vielleicht sogar eine Glaubensfrage!

 

Dunhill Bent

BENT

Da hat man einen Billiardkopf mit halb gebogenem Holm vor sich und spricht voller (Er-)kennerstolz von einer Halfbent-Billiard ! Die Ur-Shapelisten klären uns aber darüber auf, dass es eine Bent Billiard nicht gibt. In der Hauptsache verdankt die Billiard ihren Namen ja dem geraden Holm. Da ist die Bezeichnung Bent Billiard schon recht paradox. Das erkannten die Urväter der Shapelisten auch. Zeitgleich schufen sie die Mutter aller gebogenen Pfeifen.

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Die bekam nun ausgerechnet den ( seinerzeit gebräuchlichsten) Kopf der Billiard…und den schlichten Namen BENT. Sonst nichts, kein Zusatz, kein „Bent-Mothershape“ oder so. Diese Konsequenz sorgt noch heute für Verwirrung. Allerdings nur bei den Puristen. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich die „Bent Billiard“ längst breit gemacht. Die Pfeife wird sich deswegen nicht vor Ärger krümmen.

 

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OOM PAUL (UNCLE PAUL)

Paul Kruger ( nein, nicht Krüger) war der Burenführer, der 1881 die Burenrepublik Transvaal nach heftiger Schlacht gegen und dem Sieg über die Briten in die Unabhängigkeit führte. Oom Paul ( so sein Spitzname in „Afrikaans“) hatte eine Lieblings-Pfeifenform, die auf das, schon früher verwendete, HUNGARIAN-Shape zurück ging. Eine extreme Fullbent mit steil aufragendem, eiförmigen Kopf. Aufgrund ihrer Form ideal, um sie dauerhaft im Mund zu halten, da quasi keine Hebelwirkung entsteht, dem die Zähne und Kiefermuskeln entgegen arbeiten müssen.

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Deswegen auch heute noch bei den Rauchern beliebt, die ihre Pfeife gern den ganzen Tag im Mund halten…und die kein Problem damit haben, dass der Rauch aus dem Kopf gelegentlich den direkten Weg ins Auge findet- dies ist der Nachteil der Konstruktion- aber, irgendwas ist ja immer !

 

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RHODESIAN

Das perfekte Shape, um Streitgespräche heftig anzufachen und ganze Gruppen von Pfeifenrauchern in Kriegszustand zu versetzen. Es gibt zwei Gruppen von Gläubigen. Die eine bezeichnet eine gebogene Bulldog immer als Rhodesian. Die andere, traditionellere Gruppe unterscheidet beide Shapes durch den Holm.

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Ist er vierkantig, spricht man von Bulldog und Bent Bulldog, ist der Holm rund, von Rhodesian und Bent Rhodesian. Entscheiden Sie selbst, was Ihnen mehr liegt. Der Name soll übrigens zur Zeit der Gründung Rhodesiens entstanden sein, doch, auch da sind die Informationen sehr unklar.

 

CHEVALIER ( KAVALIERPFEIFE)

In Bruyere ein absoluter Exote ist die Chevalier oder Reiterpfeife.

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Die hier zu sehende Funktionszeichnung von Peter Lehmann erläutert sehr schön das Prinzip. Ein sehr altes Shape oder sagen wir besser, eine sehr alte Konstruktion, die ursprünglich für die reitenden Truppen, die Kavallerie, ersonnen wurde und die Dunhill, durch sein berühmtes Cavalier-Modell salonfähig gemacht hat. Die beste Bezeichnung für diese Pfeifenform stammt übrigens aus Frankreich.“Oeuf-sur-Branche“ heißt so viel, wie Ei auf einem Zweig- das trifft es ganz gut. Die erste Version in Bruyere wird übrigens der Firma BBB zugeschrieben.

 

Wo wir gerade bei Truppen sind, sollen zum Schluss noch zwei besondere Ausführungen an Pfeifen erwähnt werden. Die ARMY und die SPIGOT.

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Der Name erklärt sich tatsächlich durch die Erschaffung für die Nutzung im Feld. Army bedeutet, dass das Holmende für mehr Stabilität mit einer Metallhülse verstärkt ist und das Mundstück keinen Zapfen besitzt, den man in die Pfeife eindreht, sondern es sich zum Holm hin so verjüngt, dass man es, per Presspassung , in den Holm einstecken kann. Bei der edleren Spigot-Ausführung verfügt auch das Holmende des Mundstücks über eine entsprechende Metallhülse.

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Ursprünglich als robuste Gebrauchspfeife konstruiert, nahm sich besonders die Firma Peterson dieser Bauform an und veredelte sie. Das ging und geht soweit, dass bei manchen Spigot-Modellen die Metallhülsen aus Gold gefertigt werden. Eine „geschummelte“ Ausführung der Spigot soll auch noch erwähnt werden.

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An diesen Pfeifen werden, wie bei normalen Modellen, die Mundstücke per Zapfen in den Holm gedreht. Durch geschickte Anbringung entsprechender Metall-Zierringe wirkt dann die zusammengefügte Pfeife ebenfalls wie eine Spigot. Im Grunde lässt sich jedes Shape zur Army, bedingt auch zur Spigot aufrüsten, daher handelt es sich zwar um kein Shape, gehört aber in jedem Fall zur Klassikabteilung.

 

Eine endgültige Klärung, was nun zur Klassik gehört und was nicht, wird sich wohl nie finden. Wie schon gesagt, erhebt auch diese Aufzählung absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich hoffe aber, dass der Streifzug durch die Klassikabteilung der Pfeife für Sie unterhaltsam war. Sollten Sie darüber enttäuscht sein, Ihr Lieblings-Shape hier nicht gefunden zu haben, kann ich Sie nur vertrösten. Es wird in diesem Blog noch häufig Themen zu Pfeifen-Shapes geben…und dann ist auch Platz für Pear, Brandy, Pan, Blowfish, Vulcano und Co.

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