DIE DÄNISCHE MISCHUNG-Eine Erfolgsgeschichte aus der Not

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1864 endete der deutsch-dänische Krieg, an dessen Ende Dänemark die Herzogtümer Schleswig und Holstein ans Königreich Preußen abgeben musste.

Somit verlor Dänemark auch die Landflächen, auf denen bis zu Beginn des Krieges die Rohware für Schnupf-und Kautabake angebaut wurden, andere Arten von Tabak und Tabakkonsum gab es zu dieser Zeit in Dänemark kaum.

Doch, nicht nur der Krieg machte den Dänen zu schaffen. Die einsetzende, industrielle Revolution zog ganz Skandinavien in eine tiefe Krise und zwang viele Dänen und Schweden dazu, auszuwandern. Die aufstrebende Tabakindustrie der neuen Welt lockte viele und dies führte letztlich dazu, dass es auf den Tabakmärkten und in den Fabriken von North Carolina, Tennessee und Kentucky bald eine starke, skandinavische Präsenz gab.

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Ab 1880 setzte, bis zum Beginn des ersten Weltkrieges, ein schwunghafter Tabakhandel zwischen den USA und Skandinavien ein. Mit Virginia und Burley beladene Segelschiffe fuhren in direkter Linie von der amerikanischen Ostküste nach Kopenhagen. Da dort, der milden Winter wegen, der Hafen eisfrei blieb, stieg die Stadt zum Tabak-Handelsplatz für ganz Skandinavien und die baltischen Länder auf.

Zusätzlich zu den USA unterhielt Dänemark auch traditionell gute Beziehungen zum englischen Königreich. Da man dort das Potential des schnell wachsenden, neuen Marktes erkannte, eröffneten englische und amerikanische Tabakhändler sehr rasch Niederlassungen in Kopenhagen. Dänemark wurde von Virgina und Burley förmlich überschwemmt. Ebenfalls Einzug hielten aber auch zubereitete, amerikanische Mischungen und die, seinerzeit, völlig neue Zigarette. B.A.T. hatte bereits 1901 ein eigenes Herstellungswerk vor Ort. Die dänischen Raucher fanden Gefallen an den amerikanischen Produkten und so stellten sich die dänischen Produzenten auf diese Richtung um. Man experimentierte mit Mixturen amerikanischen und englischen Charakters. Der Markt war allgemein in Bewegung, bis etwa in die dreißiger Jahre hinein bestimmten aber diese beiden Grundrichtungen den Markt. Englische Tabake mit Latakia und oder Perique, Orient und viel Virginia und amerikanische Rezepte mit stark aromatisierten Burleys, die im Ruf standen, besonders sanft zu sein.

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Auf der Suche nach Eigenständigkeit in Geschmack und Zusammensetzung profitierten die dänischen Hersteller davon, dass sie zumeist amerikanische Tabake zur Verfügung hatten, die aber nach englischen Verfahren verarbeitet waren. So experimentierte man in Dänemark viel, auch mit Beigaben von Latakia und Perique, mit Mischungen von Virginia und aromatisiertem Burley, um die Charakteristika zu vereinen und so zu neuen Geschmäckern zu finden.

Die Inseln Santa Cruz, St.John und St.Thomas waren seinerzeit dänisches Kolonialgebiet. Da dort hauptsächlich qualitativ hochwertiger Zucker produziert wurde, herrschte in Dänemark daran kein Mangel. Das machte sich die Tabakindustrie zunutze. Sie invertierte den Zucker und fügte dem verflüssigten Zucker verschiedene Aromastoffe zu, um ihn dann dem Tabak beizugeben. Nützlicher Nebeneffekt: Invertzucker absorbiert Feuchtigkeit aus der Luft, da er wasseranziehend ist. Das hält Bakterien in Schach und verlängert die Haltbarkeit der Mischungen. Zusätzlich gab es Mitte der dreißiger Jahre Versuche mit alkoholischen Getränken, die dem Tabak zugefügt wurden. Diese Zeit wird als die Geburtsstunde des, typisch dänischen, aromatischen Elements angesehen.

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Ebenfalls aus dieser Zeit stammt ein Herstellungsprozess, dessen Erfindung klar den Dänen zugeschrieben werden kann. Ging man ursprünglich her und mischte zunächst die Tabakmixtur an, um danach zu aromatisieren, wandten die Dänen als erste mit dem „Component Blending“ ein neues und wesentlich besseres Verfahren an. Alle einzelnen Sorten, die später zu einer Mischung zusammen finden sollen, werden zunächst jede für sich aromatisiert, nachbehandelt und verschnitten. Erst dann erfolgt die Erstellung der Mixtur.

Das Ergebnis sind besonders ausgewogene Tabake, gut glimmend ( da jede Tabaksorte nach ihren Anforderungen verschnitten ist) und besonders feinem, intensivem Geschmack, dank der individuellen Einzelaromatisierung. Ein Verfahren, das auch heute noch häufig angewendet wird, aber ganz klar auf eine dänische Erfindung zurück geht.

Natürlich hat sich auch die dänische Richtung weiterentwickelt. Eine kleine „Revolution“ brachte ab der Mitte der sechziger Jahre der Black Cavendish.

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Tabak wird mit Zucker und anderen Aromen versetzt, erhitzt und gepresst.Durch mehrmalige Wiederholung des Verfahrens wird er dann so schwarz, wie wir ihn aus inzwischen vielen, moderneren Mischungen der dänischen Art kennen. Es kamen neue Aromen dazu, selbst exotische Frucht-und Blumenextrakte lassen sich inzwischen in Mischungen dänischen Charakters finden. Die englischen und amerikanischen Einflüsse lassen sich immer noch erkennen, aber der gute Ruf, den diese Tabake heute bei ihren Fans genießen, verdanken diese Melangen dem Einfallsreichtum, der Experimentierfreudigkeit und dem cleveren Geschäftssinn der dänischen Tabakproduzenten. Wer hätte damals, 1864, gedacht, dass ein verlorener Krieg der Beginn einer, höchst erfolgreichen,Geschichte sein könnte? In diesem Sinne: Behagelig Nydelse !

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