Der Weg des Tabaks nach Europa- Eine Spurensuche Teil 1

Woher kommt das Kraut nun eigentlich, das uns allen solche genussvollen Momente schenkt. Nun, Columbus, werden Sie jetzt sagen, die Entdeckung Amerikas u.s.w.

Doch Gemach, so einfach ist die Sache nicht. Fragmente von Erzählungen berichten davon, dass schon zu Zeiten von Konfuzius im fernen China dem Tabak gehuldigt worden sein soll. Tatsächlich gibt es sogar Bilder aus den frühen Dynastien, die genau den Pfeifentyp zeigen, der bis zum heutigen Tag in China Verwendung findet. Doch, was wurde in diesen Pfeifen geraucht ? Schwer zu sagen, fest steht aber, dass dort eine buschige Verwandte unserer bekanntenTabakpflanze wächst, die sogenannte Nicotiana fruticosa, deren Blattwerk dem Tabak, wie wir ihn kennen, nicht unähnlich ist und die in China schon sehr lange heimisch zu sein scheint.

Der bestens beleumundete Planzengeograph und Historiker Meyen ging daher davon aus, dass der Tabakgenuss aus Pfeifen in China längst bekannt war, als uns in Europa der erste Tabak erreichte.

Man kann die Spekulationen sogar auf die Spitze treiben. Ein berühmter, spanischer Geschichtsschreiber, Antonio de Ulloa, stellte die kühne Hypothese auf, dass der Tabak schon vor der Entdeckung Amerikas zu uns kam. Auf den Handelsrouten von China nach Arabien und durch den seinerzeit schwunghaften Handel, den das bedeutende Venezien mit Süd- und Mitteleuropa trieb, ist diese Hypothese gar nicht einmal so abwegig. Was allerdings seltsam wäre, ist, dass es vor dem Jahr 1500 keinerlei Erwähnung des Tabaks in der Geschichtsschreibung gibt. Das macht diese Version eher unwarscheinlich, betrachtet man die vielen Berichte und Bilder in der zeitgenössischen Literatur, ja, geradezu die Euphorie, die der Tabak auslöste, als er auf dem, uns bekannten, Weg nach Europa kam.

Kristof Kolumbus
Christoph Kolumbus

Der erwachte Abenteuergeist und die Erzählungen über geradezu unermessliche Schätze in der, noch unbekannten, Welt trieb an der Wende zum 15. Jahrhundert die seefahrenden Nationen Spanien und Portugal beinahe wie ein Fieber um.

Es war die Zeit des Forschergeistes. Astronomische Beobachtungen, geographische Vermutungen und der Wunsch nach neuen Welten waren beinahe Mode, beseelten und fesselten die Gesellschaft dieser Zeit. All`diese Wünsche, Sehnsüchte und Ideen ließen auch einem Mann keine Ruhe, der zur Schlüsselfigur der Tabakgeschichte in Europa werden sollte. Sein Name war Christoph Kolumbus.

Mit drei Karavellen, die ihm der König von Spanien zur Verfügung stellte, segelte er an Bord seines Flaggschiffes, der Santa Maria, unbekannten, sogar nur vermuteten Gestaden entgegen. Nach einer wochenlangen Tortur für Mensch und Material war es tatsächlich so weit. Seine Kundschafter betraten am 12. Mai des Jahres 1492 bislang nicht bekanntes Land. Eine Inselgruppe, die uns heute als Bahamas bekannt ist.

Nina, Pinta und Santa Maia
Die Karavellen Nina, Santa Maria und Pinta auf dem Weg in die unbekannte Welt

Sichtlich irritiert erzählten die zurückkehrenden Kundschafter von der Begegnung mit einheimischen Frauen und Männern, „die alle ein kleines Feuerchen mit sich führten, dass in den Blättern eines Krautes glühte, dessen Rauch sie einatmeten!“

An anderer Stelle der Aufzeichnungen findet sich eine Beschreibung, nach der „klein gerissene Blätter des Krautes in einem Blatt der gleichen Pflanze eingerollt werden, sodann ein Ende entzündet würde und vom anderen Ende der Rauch geschlürft würde.“

Tja…nichts mit Pfeife. Der erste Kontakt, den Europa mit dem Tabak hatte, fand eher in Form eines Cigarren-Vorläufers statt. Schade !

Ureinwohner mit Tabagos
Zeitgenössisches Bild der Ureinwohner, auf dem man einen Tabagos-Raucher im Vordergrund sieht.

Man beobachtete die Eingeborenen zwar bei ihrer bedächtigen, beinahe feierlichen Zeremonie des Rauchschluckens, maß dem aber keine Bedeutung zu. Die Schilderung der Ureinwohner, nach der der Rauch ihnen Müdigkeit und Hunger nähme und Glücksgefühle schenke, ließ aber manchen Seemann davon probieren. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass einige Matrosen von dem Kraut etwas heim brachten, um später rauchend durch die staunende Menge am heimischen Marktplatz zu ziehen. Das aber Columbus Pflanzen oder Samen der Pflanze mit nach Hause gebracht hat, ist nicht belegt.

Bartholomeo de las Casas, Bischof von Chiapa und Chronist der ersten Reise von Christoph Kolumbus erwähnt solche Dinge zumindest nirgendwo. Die Erzählungen erreichen zwar die spanischen Gestade, ihnen wird aber keinerlei Bedeutung beigemessen und sie sind längst vergessen, als Kolumbus zu seiner nächsten Reise aufbricht.

Konkreteres findet sich da schon in den Aufzeichnungen von Romano Pano, einem spanischen Hieronimiten-Mönch, der ab dem März 1496 in St.Domingo unter den Einheimischen lebte und von Petrus de Martyris, der sich etwa zeitgleich dort aufhielt.

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         Petrus de Martyris und seine gesammelten Aufzeichnungen aus der neuen Welt

 

Diese beiden Freunde berichteten ausführlich von der Wirkung der Krautrollen ( der sogenannten Tabagos) auf die Einheimischen. Die Ureinwohner schilderten Glücksgefühle, ein Gefühl der Macht, Müdigkeitsbekämpfung und erquickende Ruhe, die ihnen durch die Pflanze von den Göttern gesandt sei. In diesen Aufzeichnungen finden sich aber nicht nur die Krautrollen, sondern auch die ersten Beschreibungen von Steinpfeifen mit Schilfrohr. Gefertigt und verziert, wie die Calumets der nordamerikanischen Stämme.

Pano und Martyris waren dann auch diejenigen, die erste Samen der Pflanze an den Hof von Karl dem Fünften schickten.

Nach dem Tod von Kolumbus erhielt Anfang des Jahres 1519 ein schneidiger und ritterlicher Konquistador das Kommando über eine Flotte von elf Schiffen, mit der er die neuen Gestade erkunden und für die Krone in Besitz nehmen sollte. Sein Name war Ferdinand Cortez.

Er brach auf, um die Gegend des heutigen Mexico zu unterwerfen.

Heute wissen wir vom „Blut-Schwert-und Flammenruf“ dieses Mannes. Montezuma, der damalige Herrscher Mexicos ahnte bereits, dass da nichts Gutes auf ihn zukommt. Er sendete den Besatzern reichhaltigste Schätze entgegen, um sie von seinem Land fern zu halten. Die wertvollen Gaben waren so reichhaltig, dass Cortez eines der Schiffe, beladen bis zur Grenze, sofort heim ins ferne Spanien schickte. Als das Schiff den heimischen Hafen erreichte, waren Gold, Smaragde und Geschmeide so Gier auslösend, dass kaum jemand Notiz von den Tabakpflanzen nahm, die sich ebenfalls an Bord befanden.

Während Cortez damit beschäftigt war, halb Mexico zu verwüsten und die Bevölkerung abzuschlachten, badete sich der spanische Hof im neu erbeuteten Reichtum und man besaß die Ignoranz, die Tabakpflanzen als Kuriosum im Garten des königlichen Palais anzupflanzen.

Fernando Cortez
Ferdinand Cortez

Vorübergehend erlangte der Tabak dann durch eine Krankheit Beachtung, die einige Matrosen von Kolumbus` vierter Forschungsfahrt mitbrachten und die bei den Erkrankten zu schweren Symptomen und raschem Tod führten.

Es hieß, Cortez Leute hätten in Mexico erfahren, dass die Krankheit dort bekannt sei und mit Tabak erfolgreich behandelt würde. Die anfänglich großen Hoffnungen der Ärzte wurden aber enttäuscht, die Behandlung blieb wirkungslos und der Tabak verschwand daraufhin für runde vierzig Jahre völlig in der Versenkung oder fristete sein Dasein als Zierpflanze.

Erst Hernandez de Toledo brachte im Jahr 1560 wieder Bewegung in die Beschäftigung mit dem Tabak. Er bereiste im Auftrag der spanischen Regierung Mexico zu Forschungszwecken und berichtete von der Verwendung des Tabaks als Wundkraut, von seiner schmerzstillenden Wirkung und von seiner antitoxinen Wirkung bei Verletzungen durch vergiftete Pfeile.

Der spanische König wollte sich selbst davon überzeugen und ließ einen Hund mit einem vergifteten Messer verletzen. Die nachfolgende Behandlung mit den, noch grünen Tabakblättern zeigte eine so gute Wirkung, dass der Tabak rasch wieder im Gespräch war, vor allem bei Medizin und Wissenschaft.

Einer, der interessierten Edelleute war Jean Nicot. Er lebte als Gesandter am portugiesischen Hof und ließ sich Tabaksamen dorthin schicken, um mit den Pflanzen verschiedene Versuche durchzuführen, an deren Ende er eigene, teils recht seltsame Kuren und Verwendungen für den Tabak fand. So erschuf er wohl den ersten Schnupftabak, in dem er getrocknete Blätter pulverisierte, um sie an das Königshaus in Paris zu senden. Die Königin-Mutter, Katherina von Medici, verabreichte ihrem Sohn, dem späteren König Karl dem 9., dieses Pulver zur Erleichterung seiner Migräneanfälle.

Jean Nicot
Jean Nicot

Ihm half es wohl und deswegen stellte Katherina die Tabakpflanze unter besonderen Schutz. Das Beispiel des Königs wirkte öffentlichkeitswirksam und gab damit das Signal für die Popularisierung des Tabaks in ganz Spanien, Portugal und Frankreich.

Speziell die französische Gesellschaft um Jean Nicot tat sich fortan mit Versuchen und „medizinischen“ Entwicklungen hervor, die aus heutiger Sicht zum großen Teil seltsam bis skurril anmuten und zu einem grotesken Lehrgebäude führten, in dem der Tabak über Jahrhunderte ein merkwürdiges Wesen trieb. Doch, das ist eine ganz andere Geschichte.

Wie nun aber der Tabak seine Popularität als Rauchtabak erfuhr und wie er sich auch auf englischem und deutschem Boden etablierte, dass wird Inhalt der nächsten Teile sein, die bald folgen werden.

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