Der Weg des Tabaks nach Europa- Eine Spurensuche Teil 2

WIE DER TABAK INS BRITANNISCHE KÖNIGREICH KAM

17th Century London
London, an der Wende zum 17.Jahrhundert

Zu Zeiten, als Jean Nicot seine Tabakversuche auf portugiesischem Boden durchführte, war der Tabak auf den britischen Inseln noch völlig unbekannt. Im Jahr 1570 kamen zwar erste Blätter des exotischen Krauts zu medizinischen Zwecken ins Königreich, fanden aber wenig Zustimmung und gerieten rasch und für sechzehn Jahre wieder in Vergessenheit.

Um 1580 gelang es Sir Humphrey Gilbert und dem, ihm verwandten, Sir Walter Raleigh, das Interesse von Königin Elisabeth für Kolonien in der neuen Welt zu wecken. Nachdem die Queen sie ermächtigte, dort noch nicht beanspruchtes Land für die Krone in Besitz zu nehmen, startete im März des Jahres 1584 eine große Expedition. Raleigh rüstete eine Flotte aus, stellte sie unter das Kommando der Kapitäne Amados und Barlow und brach auf, zu neuen Ufern.

Sir Walter Raleigh Painting; Sir Walter Raleigh Art Print for sale
Sir Walter Raleigh

 

Raleigh fand, was er suchte. Ein großes, fruchtbares Gebiet, das noch von keinem anderen Land beansprucht wurde. Galant, wie er als Ritter seiner Majestät war, nahm er es für die englische Krone in Besitz und nannte es, nach seiner „Virgin Queen“, der jungfräulichen Elisabeth, VIRGINIA.

Englands Begeisterung für den neuen Helden kannte keine Grenzen. Man feierte Raleigh allerorten und die Königin berief ihn als Kapitän der Leibwache an den Hof in London. Von dort kümmerte er sich um die weitere Erforschung der Kolonie, schickte Siedler und Gelehrte aus, ließ Handelsbüros eröffnen und verwaltete deren Ergebnisse und Erträge.

Map-of-Virginia-John-Smith-1612
Eine, der ersten Karten der Kolonie Virginia

 

Thomas Harriot, einer der Siedler, berichtete von Kontakten mit Ureinwohnern, bei denen er ein Kraut kennengelernt habe, dass sie selbst Uppowoe nennen und das die Spanier als Tabak bezeichneten.

Harriot berichtete weiter von den wundersamen Eigenschaften des Krauts und das es einem davon so wohl würde, dass man mit all`den positiven Eigenschaften dieses Tabaks ganze Bücher füllen könnte. Er, Harriot, habe sich schnell daran gewöhnt, ebenfalls dieses wundersame Kraut aus tönernen Pfeifen zu rauchen und wolle davon nicht mehr lassen.

Wie ihm ging es vielen Siedlern und Neuankömmlingen, so auch dem Kapitän Ralph Lane. Er brachte im Jahr 1586 Tabak und Pfeifen mit nach England und unterwies Sir Raleigh in Gebrauch und Nutzung des neuen Genusses. Diesem gefiel es und da er zu dieser Zeit tonangebend für die aktuellen Moden in Britannien war, fand er entsprechend schnell Nachahmer, zunächst bei Hofe.

queenelizabethi
Königin Elisabeth, die Erste

Da die Königin dieser neuen Mode gegenüber positiv gestimmt war, breitete sich das Rauchen wie ein Lauffeuer über das Königreich aus.

Was in Adelskreisen begann, erfasste schnell die Kaufmannschaft, die Bürger, Soldaten und Matrosen. Ganz Großbritannien rauchte, der Gebrauch der Pfeife war sogar in Theatern, auf Gesellschaften und in jeder Form von Wirtshaus gebräuchlich und erwünscht. Der ehrwürdige Geschichtsschreiber Camden wetterte zwar, als Rauchhasser, schon zu Beginn des 17.Jahrhunderts massiv gegen die Übernahme „wilder Sitten“ und den moralischen Verfall seines Volkes, doch, der Siegeszug des Tabaks war nicht mehr zu stoppen.

Versucht wurde es trotzdem. Elisabeths Nachfolger auf dem Thron, Jakob, der Erste, erließ ein neues Steuergesetz, das den Abgabesatz auf Tabak um das Vierzigfache erhöhte. Dieses Gesetz variierte er in den kommenden Jahren völlig wirr und ohne das geringste, wirtschaftspolitische Verständnis. Nur vom finsteren Trieb beherrscht, dem Tabak im Königreich den Garaus zu machen. Es funktionierte aber nicht. Im Gegenteil, die Nachfrage stieg und stieg. Also verfasste Jakob im Jahr 1616 ein wildes Pamphlet mit dem Titel :“Misokapnos, Counterblast to Tobacco“. Wütend, unflätig und gnadenlos wetterte er sich darin die Seele gegen die Raucher und das Rauchen wund. Von verpestendem, stinkendem Nebel, von Versündigungen gegen Gott ,Verdummung und ähnlich furchtbaren Folgen war die Rede. Einzelne Gefolgsleute von ihm schafften es sogar, die Forderung nach Verbrennung allen Tabaks im Königreich in die Sitzung des „House of Commons“ vom 16. April 1621 einzubringen.

Jamestown
Jamestown, Virginia. Das damalige Zentrum der Tabakwelt !

Es geschah…nichts ! Der Tabakverbrauch stieg derart massiv an, dass zwischenzeitlich in Jamestown, der damaligen Hauptsiedlung Virginias, der Tabak sogar in den Straßen angebaut wurde, um die Nachfrage wenigstens halbwegs befriedigen zu können.

Das Einzige, was Jakob durchsetzen konnte, war ein Anbauverbot für Tabak in England, das seine Gültigkeit bis 1910 behielt. Zudem gelang es ihm, sich in der englischen Geschichte ein fragwürdiges Denkmal zu setzen.

Nach Jakob war der Siegeszug des Tabaks und der Pfeife in England nicht mehr aufzuhalten, zumal nachfolgende Herrscher dem Rauchgenuss sehr zugetan waren. Vor allem Georg, der Fünfte, war als großer Liebhaber der englischen Pfeife bekannt.

 

Ist nun Sir Walther Raleigh der strahlende Held der Pfeifenraucher, weil wir ihm die Begründung unserer Leidenschaft, hier in Europa, verdanken?

Er hat massiv und blutig an der Unterwerfung Irlands mitgewirkt, war Pirat und Abenteurer, Spion, Vizeadmiral und Kerkerhäftling, Autor und Wissenschaftler.

Unter Jakob fiel er in Ungnade, wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Nach dreizehn Jahren Kerkerhaft, in der er sein „History of the world“ schrieb, wurde er begnadigt und wieder in Dienst gestellt. Auf seiner nächsten Reise, auf der Suche nach Gold in Guayana, die er erfolglos beenden musste, wurde er von spanischen Schiffen in ein Gefecht verwickelt, bei dem sein Sohn ums Leben kam. Verzweifelt und ohne seinen gewohnten Glanz kehrte er heim nach England. Unter dem völlig absurden Vorwurf der Spionage für die spanische Krone wurde er erneut verhaftet und am 29.Oktober 1619 durch das Beil hingerichtet.

Ein zeitgenössischer Biograf bezeichnete Raleigh als den „Tennisball des Schicksals“. Ob er der Pfeifenraucher Held ist, überlasse ich Ihrem Urteil.

Im folgenden, dritten Teil der Geschichte soll beschrieben werden, wie sich der Tabak, von Britannien ausgehend, über Europa verteilte.

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29. Oktober 1619. Hinrichtung von Sir Walter Raleigh. „Wenn man weiß, wo sein Herz ist, ist es egal, wo sich der Kopf befindet !“ So seine, angeblichen, letzten Worte.

 

 

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