KARL ERIK OTTENDAHL

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Aalborg, die Geburtsstadt von Karl Erik Ottendahl

DER PRAGMATISCHE KÜNSTLER

Wir befinden uns mitten im zweiten Weltkrieg, als in Aalborg, nur ein paar Fahrminuten von Dänemarks nördlichstem Punkt, 1942 Karl Erik Ottendahl geboren wird. Schon früh erwacht seine Leidenschaft für die Pfeife und für das Kunstgewerbe, denn schon im Alter von vierzehn Jahren lässt er sich die Pfeife schmecken und zwei Jahre später beginnt er eine Lehre als Lithograph.

Ungewöhnlich, ist die Steindruck-Kunst doch 1958 schon kein Handwerk im eigentlichen Sinne mehr, sondern lebt eher vom künstlerischen Anspruch. Schon während seiner Lehre stellt er gelegentlich Pfeifen her, die er an erfreute, ältere Kollegen verschenkt. Ende 1961 schließt er diese Lehre erfolgreich ab und beschließt, nach Kenia zu gehen, um dort das Erlernte auszuüben.

1962 sind die Verhältnisse in dem ostafrikanischen Land alles andere, als geordnet. Die Mau-Mau Aufstände sind unter kriegsähnlichen Bedingungen niedergekämpft worden und das Land befindet sich in einem instabilen Zustand. Es gibt andere Sorgen, als Luxusgüter und so muss der junge Karl Erik sich seine Pfeifen selbst bauen, wenn er welche rauchen will.

Drei Jahre später kehrte er nach Dänemark zurück, konnte aber in seinem erlernten Beruf keine Anstellung finden. Um sich über Wasser zu halten, fertigte er erneut Pfeifen an, dieses Mal aber schon unter seinem eigenen Label „ Karl Erik“ und dem Logo „KE“. Zusätzlich klapperte er die Kopenhagener Pfeifen- und Tabakläden ab und fand tatsächlich Interessenten, die seine Pfeifen ins Sortiment aufnahmen. Die Qualität war gut, langsam baute er sich einen Ruf auf und auch die Kasse klingelte ausreichend laut, um in Maschinen investieren zu können. Karl Erik wurde zum Vollzeit-Pfeifenmacher.

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Der aufstrebende Pfeifenproduzent in jungen Jahren

Ottendahl agierte clever. 1967 war es an der Zeit, die ersten Mitarbeiter einzustellen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Ein glückliches Händchen bewies er auch in den Verhandlungen mit der „Wally Frank Ltd.“ aus New York City. Bei Frank war man auf der Suche nach guten, dänischen Pfeifen für den bezahlbaren Sektor des normal verdienenden Pfeifenrauchers.

Sie waren an den Richtigen geraten. Zeitlebens war es Karl Eriks Philosophie, attraktive, sauber gefertigte, dänische Freehands zu bezahlbaren Preisen zu fertigen. Man wurde handelseinig.

Karl Erik ging stets seinen, eigenen Weg. Als einer, der ganz wenigen Pfeifenmacher von Rang und Namen kümmerte er sich um die Bedürfnisse des Pfeifenliebhabers mit „normalem“ Einkommen. Man sah seinen Pfeifen nicht an, dass die meisten Arbeitsschritte maschinell gemacht waren ( was bei den geforderten, günstigen Preisen gar nicht anders möglich war) und erst die letzten Schritte von sorgfältiger Hand gemacht wurden  und so aus jeder „Karl Erik“ ein individuelles Einzelstück entstand. Die meisten Rohpfeifen bezog Ottendahl von Stanwell, die auch die Sandstrahlungen für ihn erledigten.

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Sandstrahlung in gewohnt guter Stanwell-Qualität ( wenn in Borup der richtige Mann an der Strahlkabine stand !)

 

Ein lieber Freund erzählte mir die Geschichte, wie er zu Stanwell nach Borup kam und Karl Erik Ottendahl gerade dabei war, sein Auto zu beladen. Erstaunt nahm mein Freund zur Kenntnis, dass Ottendahl da einhundert gleiche Rohlinge verlud und fragte ihn :“Karl ? Was machst Du denn mit hundert gleichen Modellen?“ Die Antwort kam augenzwinkernd:“ Wirst sehen, da mache ich hundert verschiedene Pfeifen draus!“ Ja, und das gelang ihm. Er hatte genug Ideen für formale Abwandlungen…und da diese von Hand und nicht maschinell geschahen, gab und gibt es zwar „Karl Erik Pfeifen“ die sich ähneln, doch, keine zwei sind gleich. Dafür und für ihre erstklassigen Raucheigenschaften liebten seine Kunden die Pfeifen- mal ganz abgesehen vom Preis, der einem kein Loch in die Brieftasche brannte. So waren beide Seiten zufrieden. Karl Erik Ottendahl meinte einmal, dass es ihm nichts nutzen würde, auf dem Olymp der Freehander zu stehen, aber seine Rechnungen nicht bezahlen zu können. Weise Worte eines Pragmatikers.

Er verlor bei aller Geschäftsmäßigkeit nie die Qualität aus den Augen und das machte ihn zunehmend erfolgreicher. Er fertigte Pfeifen zusätzlich unter eigenen Zweitlabeln, aber auch für andere Hersteller. Dabei wurde er allerdings immer mehr vom Pfeifenmacher zum Verwalter seines Unternehmens, für das in Spitzenzeiten fünfzehn Pfeifenmacher tätig waren. Für ihn arbeiteten gute, junge Leute, wie Bent Nielsen und Peder Christian Jeppesen, die später selbst zu erfolgreichen Machern mit eigenem Label wurden.

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Schön UND bezahlbar, das waren typische KE-Pfeifen

 

In all`der Zeit hat es sich Karl Erik Ottendahl aber nicht nehmen lassen, immer wieder auch selbst Pfeifen zu machen. Die allerdings komplett in Handarbeit. Diese, sogenannten „Ekstravagant“-Pfeifen waren sehr gefragt, blieben trotzdem bezahlbar und waren damals der günstigste Weg, an richtig gute, dänische Freehands zu kommen. Heute sind Pfeifen dieser Serie gefragte Sammlerstücke und selten zu finden. Wem das Glück aber hold ist, sollte zuschlagen.

Trotzdem…glücklich machte ihn die Situation nicht. Ottendahl litt so sehr unter der Entfremdung des eigentlichen Pfeifenmachens, dass er sich 1990 entschloss, wieder allein zu arbeiten, liebte die Ruhe eines Ein-Mann-Betriebes und fand in der Folgezeit wieder zur Zufriedenheit zurück.

 

Er kaufte sein Holz wieder selbst, bevorzugt in Marokko und Griechenland. Bedingung war das aber nicht. Sein Standpunkt war, dass es überall gutes Holz gäbe, man müsse es nur finden. So kaufte er von überall her das beste Holz, das es am Markt gab und widmete sich der klassischen, dänischen Art, Pfeifen zu bauen. Seine Formen orientierten sich am Maserungsverlauf, erhielten häufig Applikationen aus Metall oder farbigen Materialien und bekamen handgeschnittene Mundstücke. Es gibt Sammler, die die „Ekstravagant“-Modelle dieser Zeit für die besten Karl Eriks überhaupt halten.

Im Laufe der 90er übertrug ihm Stanwell die Ehre, einige, der „Hans Christian Andersen-Modelle“ zu entwerfen, die inzwischen ebenfalls zu Klassikern geworden sind.

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Eine späte Karl Erik…schon mit dem „Ottendahl“-Schriftzug für den deutschen Markt

Nicht ganz klar ist, warum sich Ottendahl  1999 entschlossen hat, die Rechte an seinem Namen „Karl Erik“ für den deutschen Markt an Planta zu verkaufen. Einmal brachte Planta im Zuge dieses Geschäfts einige „Karl Erik Tabake“ auf den Markt, zum Zweiten fertigte man bei der hauseigenen Pfeifenfirma „DB Design“ eigene „Karl Erik“-Pfeifen. Diese folgten eher krampfhaft, als geschickt den Erik`schen Linien, wirkten klobig und überfrachtet und gehörten nicht zu den Design-Sternstunden des Unternehmens. Das muss wohl auch Ottendahl gewurmt haben und so griff er zu einer List. Um wieder auf dem, für ihn so wichtigen , deutschen Markt seine Pfeifen anbieten zu können, nannte er sie ( nur für den deutschen Markt) schlicht „Ottendahl“ und war damit wieder bei deutschen Fachhändlern zu finden. Eher zufällig fanden ein paar dieser Pfeifen auch in die USA und dort großen Anklang. So kam es, dass Karl Erik Ottendahl im Jahr 2000 zum zweiten Mal seine Pfeifen in die Vereinigten Staaten exportierte- wenn auch die Namensverwirrung auf dem dortigen Markt für einiges Durcheinander sorgte.

Nach dreizehn Jahren Pause brummte also auch das US-Geschäft wieder. Ottendahl fertigte in dieser Zeit für USA und Deutschland die beachtliche Zahl von 2000 Pfeifen pro Jahr. Erstaunlich, berücksichtigt man das Maß an Handarbeit, dass seine Pfeifen erforderten. Für das Jahr 2004 waren sogar 2500 Pfeifen geplant. Das Leben jedoch hatte andere Pläne. Karl Erik Ottendahl starb am 12. September 2004 in seinem Haus, in Korsör/Seeland überraschend an einem Schlaganfall. Die Fans der bezahlbaren dänischen Freehand-Classic hatten ihren Helden verloren.

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In späteren Jahren. Die Zufriedenheit des, allein und in Ruhe arbeitenden Pfeifenmachers war zurück.

Ich durfte Karl Erik Ottendahl kurz vor der Jahrtausendwende auf einer Messe kennenlernen und empfand ihn als ein sympathisches, freundliches Schlitzohr. Natürlich musste er schauen, auf seinen Verdienst zu kommen. Das ist der Sinn eines Geschäfts und von Spaß allein kann niemand leben. Doch, im Gespräch merkte man ihm an, wie wichtig ihm die Qualität seiner Pfeifen war und wie sehr es ihm darauf ankam, dass sie sich auch weniger Betuchte leisten können. Eine Kombination, die heute als beinahe ausgestorben gelten darf. Schade !

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