CAMINETTO und ASCORTI-Ein steiniger Weg Teil 2

Wir verließen Guiseppe Ascorti am Ende des ersten Teils mitten in den chaotischen Wirren eines schnellen Ausstiegs bei Caminetto. Zur Mitte des Jahres 1980 beruhigte sich die Situation aber und die Familie Ascorti kam zu einem Entschluss. Giuseppes Söhne, Pierangelo und Roberto hatten sich zwischenzeitlich mit ihrer eigenen Marke, Ascorti, selbstständig gemacht und der Vater stieg, mit samt seiner eingespielten Mannschaft, ebenfalls dort ein. Der Grundstein für eine, weltweit erfolgreiche Pfeifenfertigung war gelegt.

 

Es fand sich ein ideales Team zusammen. Die Erfahrung von Guiseppe und seinem Team, verstärkt durch die neuen Ideen des kunstsinnigen, gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alten Roberto, dessen Lebensgefährtin Silvana und Robertos Bruder Pierangelo. Man ergänzte sich in seinen Fähigkeiten, alle brachten ihre Kraft und ihre Leidenschaft ein und bald schon zeigte der Weg für Pipa Ascorti steil nach oben. Die ersten Jahre liefen gut, man hatte aus den Fehlern von Caminetto gelernt, strebte keine Massenproduktion an, dafür hohe Qualität und suchte sich seine Märkte sorgfältig aus. 1984 aber verstarb Vater Guiseppe recht früh und unerwartet. Wieder musste die Familie ihren festen Zusammenhalt beweisen und tat sich anfangs recht schwer, die Zukunft ohne den großen „Peppino“ zu gestalten.

Roberto und Pierangelo
Roberto (l.) und Pierangelo Ascorti , Ende der 80er Jahre

Doch, auch diese schwierige Situation wurde überwunden. Sowohl Robertos Frau Silvana, als auch der gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alte Pierangelo Ascorti übernahmen zusätzlich Verantwortung und machten ihre Sache gut. Man fertigte mit einem kleinen Team von nicht einmal zehn Leuten etwa dreitausend Pfeifen pro Jahr, die sich hervorragend absetzen ließen. Um den letzten, schwarzen Fleck zu beseitigen, einigten sich die Ascorti-Brüder mit dem Besitzer der Rechte am Namen Caminetto und holten ihn dorthin, wo er hingehörte. Man teilte die Räumlichkeiten, fertigte in einem Gebäude die eher modernen Ascortis und im anderen Teil die klassische Linie, ganz der Tradition verhaftet, unter dem Namen Caminetto. Trotz des  schlechten Rufes, den Caminetto zuletzt unter Davoli genoss, fanden sich auch in den USA wieder zunehmend Liebhaber. Von Großproduktion wollte man bei Ascorti/Caminetto aber nichts mehr wissen.

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Im typischen, extravaganten Stil. Die Ascorti-Jahrespfeife von 1999.

Alles lief gut…bis das Schicksal die Familie Ascorti erneut und schwer traf. Pierangelo verunglückte 1990, gerade einmal achtundzwanzig Jahre alt, mit dem Motorrad und starb an den Folgen. Die Familie war wie gelähmt und Roberto so schwer getroffen, dass auch das Familienunternehmen eine Zeit lang auf dem Spiel stand. Silvana war es, die ihren Mann mit unglaublicher Kraftanstrengung wieder aufrichtete, ihn zurückbringen konnte und ihm Halt und Zuversicht gab.

Es gelang, die bislang getrennte Fertigung von Ascorti und Caminetto wurde vereint und die Zugpferde des Unternehmens hießen fortan Silvana und Roberto Ascorti. Es sollte der Aufbruch in viele, erfolgreiche Jahre sein.

Silvana und Roberto Ascorti
Silvana und Roberto Ascorti. Seit 43 Jahren ein Team.

 

Dieser Erfolg dauert bis heute an. Der mittlerweile einundsechzig Jahre alte Roberto und seine Silvana sind seit dreiundvierzig Jahren ein Team, das bis heute die Geschicke von Ascorti/Caminetto lenkt, maßgeblich unterstützt von Tommaso Ascorti, ihrem Sohn, der mittlerweile zu „dem Gesicht“ des Familienunternehmens wurde. Seine Aufgabe wird es sein, dass Traditionsunternehmen in die Zukunft zu führen. Eine Zukunft, die für niemanden in der Pfeifenbranche leichter wird. Doch, im Hause Ascorti ist man guter Dinge. Die Pfeifen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auf den Hauptmärkten Italien, Deutschland und USA ist man gut aufgestellt, allein nach Deutschland kommen im Jahr etwa eintausend Pfeifen, in der Hauptsache mit Filter.

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Ungewöhnliche Bulldog-Variante mit besonderer Rustizierung

 

 

Auf die Frage, welches Kind ihm lieber ist, stockt Roberto Ascorti. Da er der Künstler ist, der Freude in neuen Formen, Applikationen und Oberflächen findet, ist ihm Ascorti eigentlich näher. Caminetto aber ist Tradition, Klassik und ein Stück weit auch das Vermächtnis des Vaters und deshalb von ihm nicht minder geliebt. Über allem steht in jedem Fall der Wahlspruch des Familienunternehmens.

„Die Liebe und Leidenschaft, in dem, was Du tust- mit der Hilfe derer, die um dich sind!“

Das mahnende Beispiel der ersten Caminetto-Produktion stets vor Augen, gelten hohe handwerkliche Qualität und Zurückhaltung in den Stückzahlen als oberste Maxime. Die Firma Ascorti gebietet über ein unglaublich umfangreiches und gepflegtes Bruyere-Lager, die Mundstücke werden seit den Anfängen aus Acrylstangen selbst geschnitten, es gibt keinerlei Kittungen und  das Team an Pfeifenmachern ist klein, erlesen und dem Unternehmen zum Teil schon seit Jahrzehnten treu. Alle Formen des Hauses stammen von Roberto und inzwischen auch Tommaso und bevor ein neues Modell in Produktion geht, werden die Muster von Vater und Sohn in der Praxis ausgiebig getestet.

Bleibt zu hoffen, dass Glück und Erfolg dem Unternehmen treu bleiben. Familientraditionen, wie die, der Ascortis sind inzwischen in der Pfeifenwelt dünn gesät.

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Tommaso Ascorti, der in dritter Generation die Familientradition fortsetzt.

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