CALABASH- Der Kürbisgenuss der rauchigen Art

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Während der Kürbis sich in unseren Landstrichen hauptsächlich im Herbst und vor allem an Halloween großer Beliebtheit erfreut, ist er einem kleinen Kreis eingefleischter Pfeifen-Fans das ganze Jahr Quell des Genusses.

Die Kalabassen, die Flaschenkürbisse, fanden schon lange vor der Einwanderung der Holländer, im 16.Jahrhundert, bei den Einheimischen Verwendung als Behälter zur Lebensmittellagerung, als Schalen und Trinkgefässe.

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Besonders gerade gewachsene Kalebassen finden schon seit Jahrhunderten als Trinkflaschen Verwendung

Ob es auch schon Versuche gab, den Kürbis als Pfeifenkörper zu nutzen, kann nur vermutet, nicht aber belegt werden. Fest steht, dass die Buren zur Zeit des zweiten Burenkrieges (1899-1902) den Tabak aus den Calabashen rauchten. Zunächst gab es Versuche mit Köpfen aus Gips und Konstruktionen aus Metall. Das stellte aber geschmacklich nicht zufrieden. Erst die Versuche mit geschnitzten Meerschaum-Einsätzen führten zum gewünschten Erfolg und Genuss.

Das der Kürbis in der passenden Form für einen Pfeifenkörper wächst, ist allerdings keine freiwillige Gabe der Natur. Man kam schon früh auf den Trick, ihn während des Wachstums leicht einzugraben und immer mal wieder behutsam manuell zu richten, um die gewünschte Form zu erzielen. Nach der Ernte wird der Korpus grob auf die richtige Größe und Form zurecht geschnitten und dann zwölf Stunden lang gekocht. Danach folgt die Enthäutung, was heutzutage mechanisch geschieht, bevor man das Fruchtfleisch vorsichtig und mühsam von Hand entfernt. Viel Wissen erfordert die anschließende Lagerung und Trocknung. Dazu müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit penibel überwacht und eingehalten werden, damit die Kürbisse sich nicht verformen oder reißen.

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Er ist natürlich gewachsen. Hätte man ihm zwischendurch etwas „die Richtung vorgegeben“, wäre ein toller Pfeifenkorpus daraus geworden.

Nach erfolgter Trocknung wird das hintere Ende im passenden Maß durchbohrt und mit einem Verbindungsstück versehen. Gelegentlich bestehen diese Verbindungsstücke aus Silber oder seltenen Edelhölzern, oft auch aus Bruyere oder, pragmatisch und günstiger, aus Acryl. Dann wird in das Verbindungsstück das Mundstück eingepasst. Zu früherer Zeit fand dafür oft echter Bernstein Verwendung. Aus Kostengründen handelt es sich heutzutage eher um Ebonit oder Cultured Amber, das man auch als „künstlichen Bernstein“ bezeichnet. Die vordere Fläche des Korpus muss sehr exakt plan geschliffen werden, damit der Meerschaumkopf eingepasst werden kann, ohne Nebenluft zu ziehen. Des besseren Sitzes und absoluter Dichtigkeit wegen erhält der Kopfeinsatz noch einen Korkring.

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Blick in den Kürbis , bei abgenommenem Raucheinsatz

In vielen Büchern und Ratgebern wird darauf hingewiesen, dass man tunlichst auf Einsätze aus Blockmeerschaum achten sollte. Leider war das auch vor einigen Jahrzehnten bereits Wunschdenken. Otto Pollner untersuchte seinerzeit die erhältlichen Calabash-Pfeifen und stellte fest, dass damals schon 95% der Köpfe aus Pressmeerschaum gefertigt wurden. Daran hat sich auch in der heutigen Zeit nichts geändert.

Im Fall der Calabash ist das aber nicht so gravierend. Das „trockene“ Raucherlebnis, wofür Blockmeerschaum-Pfeifen so gerühmt sind, erreicht die Calabash auf andere Weise. Der Rauch wird durch das Mittelzugloch des Einsatzes in den Kürbiskörper gesogen, wo er stark verwirbelt wird. Die Verwirbelung sorgt dafür, dass sich große Mengen des Kondensats an den Wänden absetzen. Der so deutlich trockenere Rauch wird dann durch das Mundstück wieder nach oben gesogen. Dieses System bedingt zwei grundsätzliche Unterschiede zur „normalen“ Pfeife, mit denen sich nicht jeder Tabakfreund anfreunden mag. Einmal ist der Zug an der Pfeife eher „hohl“, es stellt sich also nicht der gewohnte Zugwiderstand ein. Zum Zweiten werden ja die Aromen des Tabaks durch den Wasserdampf, das Kondensat, zu den Geschmacksnerven transportiert. Dadurch, dass sich einiges Kondensat unterwegs an den Kürbiswänden absetzt, erscheint der Tabakgeschmack deutlich dünner, als gewohnt. Daher werden für die Calabash eher kräftige Tabake verwendet, die in einer üblichen Bruyerepfeife oft als sehr stark empfunden werden.

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Auch Dunhill hatte entsprechend luxuriöse Calabash-Pfeifen im Programm.

Die Reinigung einer Calabash ist übrigens kein Hexenwerk. Man entfernt vorsichtig den Meerschaumeinsatz mit Korkring und das Mundstück, schwenkt den Kürbis mit einem Schluck hochprozentigen Alkohol aus und lässt ihn etwas einwirken. Danach kann man die Kondensatreste mit einem weichen Lappen entfernen. Bisweilen werden die Unterseiten der Meerschaumeinsätze rund um das Zugloch etwas weich. Eine, hier kreisende Feuerzeugflamme entfernt den angesetzten Teer und härtet den Meerschaum nach. Nach ausreichender Durchtrocknung ( zerlegt und über Nacht) kann die Pfeife wieder zusammengesetzt und genossen werden.

So wirklich durchgesetzt hat sich die Calabash in unsereren Breiten nicht. Das mag daran liegen, dass sie eine reine „Daheim-Pfeife“ ist und am liebsten im gemütlichen Sessel bei einem Buch oder ein paar Gedanken geschmaucht wird.

So, wie es uns der berühmte Detektiv Sherlock Holmes in etlichen, neueren Verfilmungen vormacht. Dumm ist nur, dass Sir Arthur Conan Doyles legendärer Kriminalist nie in den Genuss einer Calabash kommen konnte. In der Zeit, in der der imaginäre Held vieler Pfeifenraucher „lebte“, gab es diese Form der Pfeife in England noch gar nicht. Das sollte Sie aber nicht daran hindern, diesen sehr ursprünglichen Pfeifenspaß zu geniessen. Zum Beispiel zu einem guten Buch…vielleicht zu einem Sherlock Holmes-Roman?

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Nene, Mr. Holmes. Das war nichts !

Noch ein paar Worte zur inflationären Verwendung des Begriffes „Calabash“. Heute begegnet er uns zumeist als „Reverse-Calabash“. Das umschreibt eine Bauart, bei der sich zwischen dem Zugloch im Kopf und dem Mundstück ein rohrförmiger Verwirbelungsraum befindet. Das Prinzip ähnelt also der Ur-Calabash. Dadurch, dass der Rauch verwirbelt, soll sich das Kondensat an den Wänden absetzen und der Rauch deutlich trockener zum Mund gelangen. Es gibt dieses System auch mit zwei getrennten Kammern. In der ersten Kammer wird der Tabak verglommen, der Rauch erreicht die zweite Kammer, wo er verwirbelt, sich die Feuchtigkeit absetzen kann und erst dann gelangt der, so getrocknete, Rauch zum Mund. Diese Bauformen wurden entwickelt, um das ursprüngliche Prinzip in eine kompaktere Bauform zu bringen.

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Das Prinzip der „Reverse-Calabash“

Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das. Doch, die Kompaktheit ist auch gleichzeitig das Problem. Wirklich überzeugend ist die Funktion nur bei entsprechendem Verwirbelungsraum und ausreichend großer Niederschlagsfläche.

Außerdem kennen wir am Markt noch Pfeifen aus Bruyere und Meerschaum, die einer Calabash in der Form nachgebildet wurden. Hier ist es aber tatsächlich nur die äußere Form. Ansonsten funktionieren diese Pfeifen nach dem gewohnten, konventionellen System.

Die originale Calabash ist ein Saurier unter den Pfeifen-Urformen. Anachronistisch und vielleicht auch ein wenig spleenig. Doch, gerade das macht den Reiz aus. Vielleicht erliegen Sie ihm ja auch ?

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Wunderschöne, alte Big-Ben Calabash von beeindruckender Größe

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