VAUEN-Tradition und Moderne

1925

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Der Firmensitz der Firma Vauen in Nürnberg.

Wir schreiben das Jahr 1848. Es ist das Jahr der Revolution in Frankreich, aber auch in Deutschland. Marx und Engels verfassen das kommunistische Manifest, van Gogh malt seine Sonnenblumen und der kalifornische Goldrausch beginnt. In Nürnberg aber beschließen zwei Drechsler, Karl Ellenberger und Karl August Ziener, gemeinsam eine Fabrik zur Herstellung von Pfeifen zu eröffnen.

Pfeifen waren ein gefragter Artikel seinerzeit und das Rauchen ein Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung, nicht zuletzt wegen der entfesselten Stürme der Revolution. Die Geschäfte gingen gut, auch in Nürnberg. So kam es 1866 dort zur Gründung einer weiteren Pfeifenfabrik, der Firma Gebhard Ott , deren Geschäftsführer Ernst Eckert war.

 

Ellenberger und Ziener waren bis zur Wende zum 20.Jahrhundert schon sehr erfolgreich. Man heimste allein auf den Weltausstellungen drei Goldmedaillen für seine Produkte ein. Die Geschäfte gingen gut, doch der Druck der Mitbewerber im europäischen Ausland wuchs erheblich an. So stellten sich Ellenberger, Ziener und Eckert die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die Nürnberger Betriebe zusammenzuschließen, um im Markt noch wettbewerbsfähiger zu werden. 1901 gründeten sich die VEREINIGTEN PFEIFENFABRIKEN NÜRNBERG, kurz VPFN und unter der Führung von Ernst Eckert entstand ein Unternehmen, dessen beispiellose Erfolgsgeschichte bis heute anhält.

 

Es war der Sohn von Ernst Eckert, Adolf, der schließlich 1909 den Markennamen prägte, der bis heute weltbekannt ist. Er nahm das V für Vereinigte Pfeifenfabriken und das N für Nürnberg. VN oder ausgeschrieben VAUEN war geboren. Adolf Eckert achtete nicht nur auf gleichmäßig gute Produktion, ihm war auch früh klar, wie wichtig die Erkennbarkeit eines Produktes auf dem Markt ist und wie unverzichtbar die Werbung dafür. 1911 führte er für die besseren Linien des Hauses den weißen Punkt auf dem Mundstück ein, um ein klares Erkennungsmerkmal für die Pfeifen zu schaffen, die in Deutschland und Österreich auf den Markt kamen.

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Der weiße Punkt. Bis heute ein besonderes Qualitätsmerkmal bei Vauen-Pfeifen.

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges ging dann auch eine Änderung des Marktes einher. Er wurde offener, weltweiter, sozusagen. Das führte dazu, dass es Anfang der zwanziger Jahre zu einem Rechtsstreit um den weißen Punkt kam. Die Firma Dunhill beanspruchte den Punkt auf dem Mundstück für sich und behauptete, ihn eher verwandt zu haben. Das seinerzeit gesprochene Kompromiss-Urteil gilt bis heute als umstritten. Vauen behielt das Recht, den weißen Punkt auf dem deutschen Markt zu verwenden, Dunhill wurde die internationale Nutzung zugesprochen. Das führte dazu, dass die Export-Pfeifen des Hauses Vauen bis heute einen grauen oder hellblauen Punkt tragen.

Ein wenig „gerächt“ hat sich Vauen dadurch, dass man den damaligen Werbespruch des anderen, britischen Erfolgsunternehmens, Peterson, einfach übernahm und eindeutschte. Aus „The thinking man smokes Peterson“ wurde „Ein kluger Kerl raucht nur die echte Dr.Perl“. Dieser Werbespruch sollte ein durchschlagender Erfolg werden. Den größten Erfolg erzielte die clevere Geschäftsführung des Hauses Vauen aber auf einem anderen Feld.

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Ein Sextett, dass es „in sich“ hat. Drei Modelle mit dem Papierfilter, aus den späten 20er Jahren und drei Pfeifen aus den frühen 30ern, die bereits Platz für den 9mm-Aktivkohlefilter bieten.

Ab der Mitte der zwanziger Jahre zog das Schlagwort von der „Gesundheitspfeife“ immer weitere Kreise. Zudem sehnten sich die Pfeifenraucher jener Zeit nach einer Möglichkeit, ihre Pfeifen ohne die beißenden „Tabaksäfte“ zu rauchen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass die Tabake der damaligen Zeit noch von anderem Kaliber waren und den Raucher bisweilen ordentlich forderten. Vauen hatte, wie andere Hersteller auch, rasch einen Papierfilter im Angebot. Doch in Nürnberg war man weitsichtiger als die Konkurrenz. Als einziges Unternehmen steckte man Zeit und Geld in die Entwicklung eines modernen Filtersystems und 1934 präsentierte man der staunenden Pfeifenwelt den neun Millimeter starken Aktivkohle-Filter.

Eine Erfindung, die den gesamten Pfeifenmarkt bis in die heutige Zeit hinein massiv verändert hat. Die Puristen murrten und tun es noch heute, doch, der Aktivkohle-Filter brachte Vauen nicht nur neue Pfeifenraucher in Massen, es wanderten auch viele Raucher anderer Marken zu den Produkten aus Nürnberg ab. Im umkämpften Markt der ausgehenden dreißiger Jahre ein genialer Schachzug, der Vauens Position nicht nur auf dem deutschen Markt nachhaltig kräftigte.

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Zeitlose Eleganz, auch das ist Vauen.Hier ein 9mm-Modell aus den 30er Jahren.

 

Der zweite Weltkrieg stürzte die Welt kurz darauf ins Chaos und an seinem Ende, 1945, lagen weite Teile Deutschlands in Trümmern. So auch die Vauen-Produktionsstätten. In dieser Zeit war es Ernst Eckert, Adolf Eckerts Sohn, der die Geschicke übernahm und das Unternehmen mit unglaublichem Einsatz wieder aufbaute und rasch wieder in die Spitze der Pfeifenproduzenten der Welt zurückführte. In den Jahren und Jahrzehnten danach hat sich der Ruf gefestigt, den das Unternehmen Vauen bis zum heutigen Tag hat. Man stand und steht für solide Qualität und eine Angebotsbreite, die sowohl Einsteigern, als auch Liebhabern des Besonderen stets die passenden Pfeifen offeriert…und man steht dafür, stets Trends zu setzen, Innovationen zu fördern und auch einmal „um die Ecke“ zu denken. Unabhängig davon, ob die Ideen im größeren Stil Absatz finden, probiert man im Hause Vauen auch stets neue Wege.

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Originell und heute ein gefragtes Sammlerstück. Romba, ein Tischkegelspiel, dass ebenfalls über lange Jahre bei Vauen produziert wurde.

Doch nicht nur die Pfeifen des Hauses hatten und haben im Deutschland der Nachkriegszeit ihren Erfolg. Der Aktivkohle-Filter wurde unter seinem Namen „Dr.Perl“ zur zweiten Weltmarke des Hauses. Das ging mit der Zeit so weit, dass auch andere Pfeifenhersteller gezwungen waren, Pfeifenlinien mit 9er-Filterung anzubieten, wollten sie auf dem deutschen Markt bestehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, liegt doch der Anteil der Raucher, die diese Filtergröße bevorzugen, in Deutschland bei etwa 90 %. Inzwischen haben sich auch die Mehrheiten der Raucher in anderen Ländern, beispielsweise in der Schweiz oder Österreich entschlossen, mit Filter zu rauchen und selbst in den USA steigt der Anteil der Pfeifen mit der 9er-Filtergröße beständig.

 

Natürlich gibt es längst auch andere Firmen, die diese Filterart anbieten, trotzdem hat der „Dr.Perl“ entscheidenden Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg des Hauses Vauen. Schließlich verkaufte man in Spitzenzeiten rund 150 Mio. Stück davon jährlich weltweit. 1968 führte Vauen dann bei seinen Filterzapfen eine weitere, kluge Neuerung ein. Der „Conex-Zapfen“ wurde erfunden. Zum Mundstück hin läuft der Zapfen leicht konisch zusammen und sorgt dadurch für einen dichten Sitz des Filters, der verhindert, dass Rauch am Filter vorbeiströmen kann. Dieses System gab es zwar nicht bei allen Vauen-Pfeifen, es war aber so erfolgreich, dass es alsbald von Mitbewerbern, wie Stanwell, Bjarne und teilweise Brebbia übernommen wurde.

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Die klassische Linie wurde im Hause Vauen immer gepflegt. Hier zwei Bulldog-Variationen. Die distinguierte „Duke“
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…und die sehr natürliche, elegant-puristische „Natura“

Den bislang letzten Wechsel an der Konzernspitze gab es dann 1982, als Alexander Eckert die Führung des Unternehmens übernahm. Seit seiner Gründung steht Vauen unter familiärer Leitung und auch Alexander Eckert gelang es, die Marke bis zum heutigen Tag erfolgreich durch den immer schwieriger werdenden Markt zu steuern.

Ich bekenne mich gern als Anhänger der Marke Vauen. Hat es doch in den beinahe 40 Jahren, in denen ich nun Pfeife rauche, immer wieder Vauen-Modelle gegeben, die mein Herz höher schlagen ließen und die sich nach dem Kauf stets als treue Begleiter und gute Pfeifen bewiesen haben. Doch, auch für einen Fan bleiben Wünsche offen. Vielleicht ein wenig mehr naturbelassene Oberflächen wagen? Oder mal die alten Shapelisten durchschauen und einige, der wunderschönen Modelle der Vergangenheit neu auflegen? Schön wäre auch ein wenig mehr Betonung der unglaublichen Tradition des Hauses. Wer über 170 Jahre Pfeifen baut, muss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.

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Innovation-auch das ist Vauen. Neue Wege gehen, wie hier, mit der „Diamond“. Sie ist die erste Pfeife der Welt, die im 3D-Drucker gefertigt wurde.

Wir werden sehen, wie es nach dem abzusehenden Führungswechsel im Hause Vauen weitergeht. Alexander Eckert bereitet sich auf den wohlverdienten Ruhestand vor und mit Julia Eckert und Martin Ramsauer steht die nächste Generation bereits in der Verantwortung.

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Julia Eckert, Martin Ramsauer und Alexander Eckert (v.r.n.l.)

Das Haus Vauen hat viele der ehemaligen Mitbewerber überlebt und ist inzwischen einer der ältesten Pfeifenproduzenten weltweit und die letzte Pfeifenmanufaktur in Deutschland. Ein breites Angebot an Serienpfeifen, das häufig Ergänzungen erfährt, edle Einzelstücke, wie die legendären „Solitaire“ oder die, neu dazu gekommene Serie aus erlesensten Hölzern, die „Vauen Tradition“ bilden das Pfeifenangebot. Dazu kommt eine umfangreiche Palette an Haustabaken, Reinigern und Filtern und nicht zuletzt das Zubehör, wie der beliebte Vauen-Automatikstopfer machen Vauen zu einem, der selten gewordenen Komplett-Anbieter.

Hoffen wir, dass der Erfolg dem Unternehmen weiterhin treu bleibt. Denn, eine Pfeifenwelt ohne Vauen ist sicher nicht nur für mich unvorstellbar.

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Die „Vauen Tradition“- das neue Statement des Hauses, in ausgesuchter Spitzenqualität.

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