GUBBELS-Pfeifentradition aus Roermond

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1873 war Roermond in der Provinz Limburg noch ein beschauliches Städtchen. Hier, wo die Roer in die Maas mündet, eröffnete Johannes Henricus Gubbels  gemeinsam mit seiner Frau Hubertina in diesem Jahr ein Gemischtwarengeschäft. Mit idyllischer Sicht auf das historische Zentrum konnte man dort Zeitungen, Regenschirme, Spielwaren und…ja, auch Rauchzubehör erwerben. Dazu gehörten natürlich auch Tonpfeifen, die Herr Gubbels vermutlich von Jean Knödgen kaufte.

Dieser Jean Knödgen war ein Deutscher, der nur 30 Km entfernt, im belgischen Teil der Provinz Limburg, seine Pfeifen fertigte. Von dieser Pfeifenproduktion wird noch die Rede sein, kehren wir aber erst einmal nach Roermond zurück.

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Johannes Henricus Gubbels

Die Geschäfte des Herrn Gubbels gingen recht gut, seine Frau erkrankte aber schwer und verstarb schließlich im Jahr 1896. Drei Jahre später lernte Johannes Henricus dann  Anna Maria kennen und lieben. Das Paar heiratete und bekam zwei Kinder. Antonia und Elbert . 1911 verstarb dann Herr Gubbels sen., seine Witwe konnte das Geschäft aber halten und sogar noch weitere Läden eröffnen, die sie unter dem Namen „Witwe Gubbels-Plum“ recht erfolgreich betrieb. Die beiden Kinder, Antonia und Elbert Gubbels fühlten sich aber dem Raucherzubehör besonders verbunden und gründeten 1924 den Großhandel „A.&H. Gubbels“. Da die Geschwister recht fortschrittlich dachten und ihren Wirkungskreis deutlich vergrößern wollten, kauften sie eines, der ersten drei in Roermond zugelassenen Autos. Von nun an konnte der erst 20jährige Elbert mit seinem Chrysler die Kunden in 15 Km Umkreis rasch besuchen und beliefern. Das Geschäft florierte.

Wechseln wir noch einmal auf die belgische Seite von Limburg, nach Bree und zur Pfeifenfabrik von Jean Knödgen. Knödgens Schwiegersohn, Jean Hillen, hatte die Firma etwa 1897 von seinem Schwiegerpapa gekauft, gute Kontakte ins französische St.Claude geknüpft und dort drei Lieferanten für Bruyereholz gefunden. Er richtete Maschinen ein und im Jahr 1924, in dem wir uns ja noch befinden, waren seine Pfeifen inzwischen von beachtlicher Qualität.

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Das alte Firmenzeichen der Tonpfeifenbäckerei Knoedgen im belgischen Bree

In Roermond entschloss sich Albert Gubbels zunächst, Pfeifen aus England und Frankreich ins Programm zu nehmen. Er kannte Jean Hillen zwar und war beeindruckt, von dessen Betriebsführung, der Geschmack der Käufer war aber eher englisch und französisch geprägt, so dass es bis zum zweiten Weltkrieg nicht zu einer Zusammenarbeit mit dem belgischen Nachbarn kam.

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Elbert Gubbels senior bei einer Messepräsentation.

Das Jahr 1940 setzte der Familie Gubbels dann schwer zu. An Waren zu kommen, war schlicht unmöglich, dann besetzten die Deutschen Holland und die Familie floh in den äußersten Norden. Dort hielt man sich mit dem Handel der Güter über Wasser, die so eben noch zu haben waren.

Nach Kriegsende kehrten die Gubbels nach Roermond zurück und versuchten, die Geschäfte wieder in Schwung zu bringen. Das gestaltete sich ausgesprochen schwierig. An problemlosen Import französischer und englischer Pfeifen war kaum zu denken, die Welt musste erst wieder zur Normalität finden. Diese Zeit hatte Elbert Gubbels nicht. Kurz entschlossen folgte er dem Vorbild von Jean Hillen , gründete eine kleine Fabrikation und startete mit zwei Maschinen und drei französischen Pfeifenmachern die Fertigung seiner eigenen Pfeifen.

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Typischer Hilson-Stil der frühen Jahre.

Im belgischen Bree, bei Familie Hillen, liefen die Geschäfte bereits wieder gut. Albert Hillen, einer der Söhne von Jean, arbeitete während des Krieges als Übersetzer für die Alliierten und konnte so eine Menge interessanter Kontakte knüpfen, die jetzt der Firma zugute kamen.

Der Export in andere, europäische Länder und sogar in die USA lief recht erfolgreich an und man suchte nach einem Markennamen, der überall einprägsam sein sollte. So wurde aus Hillen& Son die Marke HILSON.

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Ein Blick in die frühere Pfeifenproduktion bei Gubbels.

Gubbels in Roermond gelang ebenfalls ein guter Einstieg. Die Verkäufe stiegen rapide, man musste dringend die Fabrikation vergrößern, den Kontakt zu den Großhändlern ausbauen und sich einen guten Markennamen zulegen. Zu diesem Zeitpunkt hieß die Firma schlicht EGRO (Elbert Gubbels ROermond).

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Das alte Firmenlogo. Heute auf Pfeifen im Pfeifenmuseum Amsterdam zu bewundern.

In dieser Zeit dringlicher Überlegungen half der Zufall. Die in Amsterdam ansässige Firma „De Rijk & Zonen“ geriet in finanzielle Schieflage.De Rijk handelte mit verschiedensten Produkten, der Großhandel war nicht einmal von besonderer Bedeutung. Nur in einem Punkt kam die Entwicklung für Gubbels, wie gerufen. Zum Programm von De Rijk gehörten nämlich auch in England gefertigte Pfeifen, die einen sehr guten Ruf genossen und dem Markt unter dem Handelsnamen „Big Ben“ sehr geläufig waren. Gubbels zögerte nicht, kaufte De Rijk und somit auch den Namen, den zukünftig seine Produkte trugen.

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Die „BORA“. Ein großer Wurf für „Big-Ben“

Der Plan ging auf. Der Name „Big Ben“ öffnete noch einmal zusätzliche Türen zu Märkten in den USA, Canada und auch Europa. Beide Firmen, Hilson in Bree und Gubbels in Roermond erlebten eine extrem erfolgreiche Phase. Hilson begeisterte mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis und vielen moderneren, originellen Shapes. Gubbels hingegen berief sich mehr auf die „englische Schule“ und fertigte vornehmlich klassische Formen in gedeckten Farben. Eine Ausnahme gab es allerdings. Eines Morgens betrat Alfons Gubbels, Elberts Sohn, das Büro des Vaters und präsentierte diesem eine Winzigkeit an Pfeife. Wir würden sie heute wohl „Nasenwärmer“ nennen. Auf den Entwurf der „Pipo“ war Alfons wirklich stolz…Albert hingegen war entsetzt. Mit solch einem Stummelchen konnte und wollte er sich nicht anfreunden. Produziert wurde „Pipo“ trotzdem und nicht nur das. Das Modell wurde ein weltweiter Erfolg und blieb bei Gubbels über Jahrzehnte im Programm.

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Die „Pipo“ wurde ein riesiger Erfolg für Gubbels

In Spitzenzeiten wurden bei Gubbels 35.000 Pfeifen der verschiedensten Modelle pro Jahr gefertigt, doch ein Ende des Pfeifenbooms zeichnete sich bereits ab, die Geschäfte wurden schwieriger, große Investitionen zunehmend riskanter. An solch einer Investition hat sich dann Hilson in Bree im Jahre 1980 massiv verhoben. Das Unternehmen stand plötzlich vor dem Konkurs und Elbert Gubbels nutzte die Gunst der Stunde. Man übernahm Hilson, löste die Produktion im belgischen Bree auf und konzentrierte beide Firmen am Standort Roermond.

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Eine „Big-Ben“ im gewohnt klassischen Stil.

Die Folgezeit war der erste Abschnitt, in dem Gubbels ein wenig wankte. Die Unsicherheiten in den Designs für beide Marken waren groß. In der Folge näherten sich die Big Bens und die Hilsons immer weiter an und die Kundschaft bemerkte missmutig, dass man zu wenig Eigenständigkeit bei den jeweiligen Marken fände. Alfons sen., Alfons jun. und Elbert jun. arbeiteten hart daran, diesen Umstand zu ändern. Das geschah zunächst mit Erfolg. Überhaupt muss man sagen, dass aus dem Hause Gubbels immer wieder besondere Ideen kamen, die zum Teil zu zeitlosen Klassikern wurden. Man denke nur an die Big Ben „Bora“ oder die variantenreiche und sehr beliebte Serie der Big Ben „Barbados“. Man experimentierte aber nicht nur mit Formen. Innovative Oberflächen, besondere Fertigungstechniken…all das machte zusätzlich den Namen Gubbels aus. Die klassischen Linien wurden hingegen zu großer Reife gepflegt und genossen zu Recht einen guten Ruf bei der, eher konservativen Kundschaft. Der Weltmarkt für die Pfeife wurde aber kleiner und kleiner und man musste sich zunehmend auch einem Preiskampf auf dem verbliebenen Feld stellen.

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Die „Porsche Design“-Serie, unter enormem Aufwand produziert.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde bei Gubbels aus Rührigkeit und Innovationsdenken aber auch eine gewisse Unübersichtlichkeit- so vermerkten es jedenfalls die Kritiker. Stets gab es im Werk einen freien Arbeitsplatz, an dem sich verschiedene Pfeifenmacher einfanden. Ideen wurden geboren, Designer und bekannte Fachleute gingen ein und aus und man suchte stets nach neuen Wegen- bisweilen aber recht glücklos.

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Elbert Gubbels jr., der letzte Chef des Hauses.

So produzierte man zum Beispiel von 2005-2013 die Porsche Design Pfeifen. Enorm aufwendige Shapes, deren Produktion nicht billig war. Doch, die „Sportdesign“-Welle war da eigentlich schon vorüber. Da die Pfeifen zudem im Handel recht großzügig kalkuliert wurden, war ihnen kein ausreichender Erfolg beschieden. Um das Jahr 2008 herum gewann man Rainer Barbi für die Aufgabe, Hilson ein neues Gesicht zu geben und mit der „Rainer Barbi Collection“ wieder Schwung in die Verkäufe zu bringen. Die Präsentation der Pfeifen scheiterte krachend, da die Verarbeitungsqualität unterirdisch war. In der Folge kam es dann auch mit Rainer Barbi zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten.

 

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Eines, der Barbi-Modelle mit groß angelegter Werbekampagne

Die Lage wurde zunehmend schwieriger und im März 2012 schockten die holländischen Handelsblätter mit der Meldung, dass Gubbels bankrott sei. Das entsprach wohl auch der Wahrheit und doch bäumte sich das Unternehmen noch einmal auf, wendete den Bankrott ab und machte weiter. Eine wirklich klare Linie war aber nicht zu erkennen. Den Big Bens machte in den letzten Jahren auch der Mitbewerb das Leben schwer. So wurden Klassikerfans durchaus auch bei Vauen, Savinelli und Co. fündig…und das zu vergleichbaren Preisen. Der Wunsch nach Innovationen auf dem Pfeifenmarkt blieb aber lebendig. So gab es Gespräche mit Hans Nielsen (Former) über eine mögliche Zusammenarbeit, man begann, die Bentley-Pfeifen zu fertigen und gemeinsam mit Nils Thomsen aus Berlin die Tin-Pipe an den Markt zu bringen. Eine Pfeife, die sich durch ihre Form in einer Tabakdose unterbringen ließ. In Zusammenarbeit mit Al Pascia fertigte man die kleine Curvy Pipe, doch ein wirklicher Befreiungsschlag für das Unternehmen war nicht bei diesen Ideen.

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Anfang des Jahres 2020 machte dann die Meldung die Runde, dass Gubbels nur noch die Aufträge für Al Pascia zu Ende bringt und das Unternehmen danach schließt. Aktuell weist nichts darauf hin, dass es Gubbels noch einmal gelingen könnte, den Bankrott abzuwenden. Einzelnen Meldungen nach ist das Unternehmen bereits geschlossen. Ein weiteres Traditionsunternehmen streicht die Segel…und es wird nicht das letzte sein. Die Zeiten haben sich gewandelt. Man darf darüber, auch im Falle von Gubbels, ruhig ein wenig traurig sein.

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Die Barbados-Linie. Einer, der absoluten Klassiker des Hauses Gubbels.

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