Salvatore Amorelli-Die Pfeife als Schmuckstück

Es ist auch immer ein Hauch von Glamour und Luxus zugegen, wenn es um die Pfeifen des Italieners Salvatore Amorelli geht.“Toto“ kam mit der Pfeife in Kontakt, als er 1978, während eines Studiums in Pisa, ein Exemplar geschenkt bekam, in dass er sich so sehr verliebte, dass er nach und nach begann, Pfeifen selbst herzustellen. Nicht etwa als Lehrberuf, denn Amorelli hat eigentlich die Kunst der Goldschmiede gelernt. Vieles, was ihn an dieser Arbeit faszinierte, nahm er mit, als er 1982 begann, hauptberuflich Pfeifen zu kreieren.

Salvatore Amorelli. Links ein Bild aus seiner Anfangszeit.

Er gründete in Caltanissetta auf Sizilien eine kleine Pfeifenmanufaktur, die er zunächst allein betrieb. Verarbeitet wird dort seit jeher ausschließlich sizilianisches Plateauholz, dass Amorelli für sich als den besten Rohstoff erkannte. Nicht nur die Holzqualität hielt und hält er für die beste der Welt, er ist auch davon überzeugt, dass das sizilianische Klima dem Holz eine ganz spezielle Würze mitgibt. Von Anfang an war seine Sicht auf die Pfeifenmacherei eine besondere. Zum Einen sah und sieht er die Pfeife stets als Ganzes, legt auf die Mundstückfertigung genauso viel Wert, wie auf den Pfeifenkopf und verwendet viele aufwendige Arbeitsgänge darauf, zwischen beiden Bauteilen die absolute Harmonie zu erreichen, indem er Formen und Materialien ineinander überfließen lässt. Zum Zweiten ist die Pfeife für Amorelli auch stets Schmuck und gern auch Ausdruck von besonderem Luxus.

Ein Prachtstück, bei dem man das Zusammenspiel der Materialien gut erkennen kann. Aufwendig gefertigt und mit dem Maß an Luxus, das Toto Amorelli liebt und das die Besonderheit seiner Pfeifen ausmacht.

Schon Mitte der 80er Jahre genossen seine Modelle in den USA, Canada und nicht zuletzt auch in Deutschland einen guten Ruf. Das Geschäft florierte und Salvatore suchte sich Pfeifenmacher, die ihn bei der Produktion unterstützen konnten. Die Maxime, ausschließlich sizilianisches Bruyere zu verarbeiten, blieb. Sogar, als es auf Sizilien keine Coupeure mehr gab. Man brachte das Holz zum Zuschnitt nach Kalabrien und ließ es, nach der Rückkehr, für fünf Jahre im sizilianischen Klima durchtrocknen und ablagern…auch dies betrachtet Amorelli bis heute als absolutes Muss. Daher war und ist an hohe Stückzahlen nicht zu denken.

Er begann, sehr besondere Stücke mit Edelsteinen, Gold und Perlen zu verzieren. Pfeifen, die zu unglaublichen Summen vornehmlich in prominente Hände fanden. Protz? Prunk? So sieht Amorelli es nicht. Ihm geht es um die Schaffung eines Gesamtkunstwerks. Interessenten für seine extrovertierten Stücke gab und gibt es stets genug.

Amorellis Mundstücke. Nicht nur perfekt geformt und ausgearbeitet, sondern oft auch Schmuck und Zierde.

Gegen Ende der 80er Jahre lernte „Toto“ dann Gudrun Pasternack kennen. Die Nichte des berühmten Schriftstellers Boris Pasternack (Dr.Schiwago) unterhielt beste Beziehungen zu den Herrschaftshäusern des nahen Ostens. Sie hatte eine Kollektion von Damenpfeifen entworfen, die den Prinzessinnen der Scheichtümer den Genuss des Tabaks verschönern sollte. Für die damalige Zeit eine mehr als ungewöhnliche Idee, die erhebliche, finanzielle Vorleistungen nötig machte. Amorelli dachte nach und befand schließlich, dass das, was Ferrari, Armani und Officine Panerai recht war, einem Amorelli nur billig sein konnte. Er ging das Risiko ein, fertigte diese Pfeifen und Gudrun Pasternack hatte damit bei den Kundinnen größten Erfolg. Hochkarätig verziert fanden diese Pfeifen gegen kräftig fünfstellige Summen ihre glücklichen Besitzerinnen. Amorelli muss diesen Erfolg sehr genossen haben. Seine Überzeugung, dass auch wertvollste, ausgefallenste Stücke ihren Liebhaber finden, erwies sich als richtig…und gegen den Hauch von etwas märchenhaftem 1001 Nacht-Gefühl wird er auch nichts gehabt haben.

Bent mit schlicht schwarzem Mundstück, aber stilisierten Kentucky-Blättern auf dem gesamten Korpus. Serie: Kentucky. Gut zu sehen auch der geteilte Goldriegel, das Markenzeichen Amorellis.

Stets wusste er aber auch, seine ausgefallenen Stücke werbewirksam in Szene zu setzen. So überreichte er Papst Johannes Paul II. während einer Audienz ein wunderbares Stück, im Wissen, dass der heilige Vater als seinerzeit noch im Studium befindlicher Karol Wojtyla Pfeife geraucht hatte. Bei einer Begegnung mit Bill Clinton überreichte Amorelli ihm eine Pfeife, die höchst kunstvoll als Saxophon gearbeitet war, wohlwissend um Clintons Liebe zu diesem Instrument. Ein Meisterstück war auch eine Pfeife, die an der Seite eine Goldplatte trug. Durch Trennung von Kopf und Mundstück wurde die Platte halbiert, die auf jeder Hälfte einen eingelassenen Diamanten trug. Durch Zusammensetzen der Pfeife komplettierte man die Platte wieder zu einem Stück. Diese Pfeife überreichte Toto Amorelli dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl aus Anlass der Wiedervereinigung. 2005 schuf Amorelli dann die „Magnifico Narghilé“, die in den Besitz des saudischen Königs Abdullah Al überging. Man sieht, an prominenten Amorelli-Besitzern mangelt es nicht.

Das typische „Busbee“-Mundstück, bei dem, in einem speziellen Verfahren, Bruyere und Acryl verbunden und geformt werden.

Doch seine Pfeifen gab und gibt es nicht nur für die „oberen Zehntausend“.

Die Reihen „Busbee“,“Frac“,“Lyra“,“Fishtail“,“Nayl“ und “Unicum“ bieten bis heute besondere und hochwertig gefertigte Kleinserienpfeifen zu sehr bezahlbaren Preisen. Man sollte allerdings Freude an Ungewöhnlichkeit haben und stets damit rechnen, auf die Pfeifen angesprochen zu werden. Einen Hauch von Gold bekommen auch diese Serien ab, schließlich ist das Firmenzeichen Amorellis ein kleiner, 18karätiger Goldbarren, der oft zur Hälfte auf dem Holm und zur anderen Hälfte auf dem Mundstück sitzt, was Amorellis Philosophie der „Einheit“ der Bauteile nachdrücklich betont. Im Angebot finden sich ebenso glatte, wie auch von Hand rustizierte Pfeifen. Sonderserien tragen auch gern mal florale Blumenmuster oder Tabakblätter, die mit einer besonderen Technik ins Holz gebracht werden. Betrachtet man die Pfeifen sachlich (was oft nicht ganz leicht fällt), fallen erstklassige Bohrungen und Passformen ebenso positiv auf, wie wohl mit die bestgeformten Bisse, die man an Pfeifen finden kann. Bei der Serie „Busbee“ treibt Amorelli die Verschmelzung von Bruyere und Acryl auf die Spitze, in dem er komplizierte Verfahren anwendet um beide Werkstoffe im Mundstück zu mischen und zu formen.

Bulldog im Amorelli-Stil, auch hier hochkomplexe Verarbeitung und ganz besonderer Materialmix.

Für welche Serie man sich auch entscheidet, immer bekommt man ein Stück mit unverwechselbarer Handschrift. Sehr individuell, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass Amorelli nie eine Marke des Massenmarktes wurde. Das ist aber etwas, was der Meister selbst sicher mit einem Lächeln und ohne Bedauern quittieren würde. Masse war nie sein Ziel. Ihm ging und geht es um Besonderheit, Schönheit und beste Qualität…und dieses Ziel, das darf man bestätigen, hat er voll und ganz erreicht.

Sogar seine Bürstungen sind Kunst. Hoch detailliert und tief. Ein Fest für Haptiker. Hier ebenfalls mit „Busbee“-Mundstück.

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