KURT BALLEBY-VOM HIPPIE ZUR PFEIFENIKONE

Eigentlich hatte er schon als Kind den Wunsch, Archäologe zu werden.

Die Möglichkeit, nach Spuren der Vergangenheit zu suchen, um besser zu verstehen, wie man damals lebte, wie die Welt funktionierte, das schien dem jungen Kurt ein verlockendes Ziel.

Das Leben hatte aber andere Pläne für Kurt, der mit vollem Namen Kurt Balleby Hansen heißt.

Das „Balleby“ verdankt er seiner Mutter, die darauf bestand, dass auch ihre Kinder diesen Namen tragen. So gab es doch noch eine Möglichkeit, sich zu unterscheiden. Schließlich trägt den Namen „Hansen“ gefühlt jeder zweite Däne.

Kurt Balleby heute

Der Anfang 1950 in Kolding geborene Balleby brachte die Schule mit Erfolg hinter sich und begann ein Studium der Naturwissenschaften. Ärgerlich war nur, dass er feststellen musste, mit wie viel Arbeit das verbunden war. Dabei gab es so viel Dinge, für die man sich interessieren und begeistern konnte. Sich stattdessen die Zeit von einem Studium stehlen zu lassen? Nein, das war nichts für Kurt!

Fortan lebte er sein Leben als Hippie. Gelegenheitsjobs hielten ihn über Wasser, wirkliche Ziele gab es für ihn nicht. Zum Leidwesen seiner Eltern schien er sich für einen völlig unkonventionellen Lebensstil am Rande der Gesellschaft entschieden zu haben. Schon seit seiner Kindheit war Kurt mit Kai Nielsen befreundet. Nielsen machte mittlerweile seine eigenen Pfeifen, doch, mit Pfeifenbau war Kurt nur einmal in Kontakt gekommen, als er sich 1966, als 16jähriger, aus Spaß eine Pfeife fertigte.

Ein Meisterwerk, wie es typischer für Balleby nicht sein könnte.

Sonst hatte er nie handwerkliche Arbeiten verrichtet. Waren sich doch Eltern und Lehrer stets darüber einig, dass Kurt zwei linke Hände habe und lieber etwas „mit dem Kopf“ machen sollte.

Kai Nielsen aber wollte das so nicht einfach glauben. Er erkannte, dass Kurts Lebensweise auf Dauer keine Lösung und nicht gut für ihn wäre und bot ihm an, bei sich zu arbeiten. Nielsen konnte Verstärkung dringend brauchen und Kurt konnte herausfinden, ob er wirklich so unbegabt fürs Handwerk war, wie man ihm nachsagte. 1983 stieg er bei Nielsen ein. Zunächst fertigte Kurt Balleby dort Mundstücke für Kais Pfeifen. Vom ersten Tag an war er aber fasziniert davon, wie dem Holz Form gegeben, es bearbeitet wurde. Zudem wurde offensichtlich, dass Kurt sehr wohl handwerkliches Geschick aufwies. Er wollte es probieren, wollte selber Pfeifen schaffen. So blieb er nach Feierabend länger, manchmal bis tief in die Nacht und fräste, schliff und bohrte an seinen eigenen Formenideen. Er ersann sich sogar ein Werkzeug. Eine Art Dremel, eine Fräse, mit der er auch sehr feine Formen und Linien verwirklichen konnte.

Bulldog-Varianten sind und bleiben seine Lieblinge

Das Ende der Zusammenarbeit kam 1989, als Kai Nielsen beschloss, nach Faborg umzusiedeln, um dort gemeinsam mit Vater Viggo Pfeifen zu machen. Kurt blieb und fertigte weiter Pfeifen nach seinen Ideen. Der Erfolg war allerdings bescheiden. Seine ersten Pfeifenverkäufe tätigte er in Bars und Kneipen, gelegentlich machte er Pfeifen für Freunde. Zum Leben reichte das soeben, zumal er ja auch zusätzliche Werkzeuge und Maschinen angeschafft hatte. Der Wind drehte sich, als 1992 das deutsche Unternehmen John Aylesbury auf seine Pfeifen aufmerksam wurde. Man schloss einen Vertrag und Kurt fertigte fortan Pfeifen des unteren Preissegments für die Aylesbury-Gruppe. Der Vorteil war, dass regelmäßig Geld aufs Konto floss, der Nachteil, dass Kurt mit dieser Arbeit auf Dauer nicht glücklich wurde. Seine Ansprüche waren deutlich höher, bei dieser Arbeit aber nicht zu verwirklichen.

Eine gestrahlte Schönheit in erstklassigem Ringgrain

Warum man bei Aylesbury das tatsächliche Talent dieses Mannes nicht erkannte oder erkennen wollte, bleibt wohl ein Geheimnis. 1997 jedenfalls endete die Kooperation mit Aylesbury und Kurt war frei, seinen eigenen Weg zu gehen und auch finanzieren zu können. Der Vorteil aus der Zusammenarbeit mit Aylesbury war, dass einigen Pfeifenenthusiasten der Name Balleby geläufig wurde…und etliche der Kenner bereits vermuteten, dass da noch deutlich mehr zu erwarten war.

Kurt ging aufs Ganze, kaufte erlesenes Bruyere (das er bis heute einzeln bei den Händlern aussucht), beste Ebonit-Stangenware und begann Pfeifen zu machen, die seinem Anspruch genügten.

…auch seine „Elephant Foots“ sind immer wieder ein Erlebnis.

Schon die ersten Exemplare fanden begeisterte Abnehmer. Mit der Zeit wurde der Name Balleby ein fester Begriff, die wichtigen Leute hatten ihn auf dem Zettel, es gab Ausstellungen, Messen, das Interesse wuchs und wuchs. Kurt Balleby Hansen, der Mann mit den „zwei linken Händen“ hatte es geschafft.

An seinem Anspruch hat sich nie etwas geändert. Er war und ist der Schrecken der Bruyerehändler. Denn, wenn Balleby dort auftaucht, braucht er den ganzen Tag, um passende Kanteln aus dem Angebot zu suchen. Trotzdem kommen daheim, nach weiterer Prüfung, noch etwa 40% Ausschuss zusammen. Mit dem Rest ist er dann aber weitgehend zufrieden. Technisch ist er ebenfalls ein Perfektionist reinsten Wassers. Der Rauchkanal hat immer 4,1mm, die Mundstückbohrung beginnt stets mit 1,6mm und weist am Ende 3,0mm auf. Der Biss ist 3,7mm. Warum? Nun, weil Balleby das exakt so macht und erst dann zufrieden ist. Denn, der schärfste Kritiker der Balleby-Pfeifen ist Kurt selbst. Fragt man den, heute 72-jährigen nach der besten Pfeife, die je seine Werkstatt verließ, erklärt er, dass die noch nicht gemacht ist. Immer findet er etwas, mit dem er noch nicht 100%ig zufrieden ist. Wenn selbst die größten Kenner mit der Lupe schauen und Perfektionismus bescheinigen, schüttelt Balleby den Kopf. Es geht i m m e r noch besser!

State of the art Vulcano

Etwa 40% seiner Pfeifen sind gestrahlt. Eine Arbeit, die sein Freund Former für ihn erledigt. Doch, ob gestrahlt oder glatt, stets gilt Ballebys Maxime, dass das beste Holz gerade gut genug ist. Sein Perfektionismus, seine Leidenschaft , stets das Beste abzuliefern, haben Kurt Balleby in die Top 10 der besten Pfeifenmacher der Welt gebracht und das, obwohl er absolut kein Mann für die Bühne, kein Typ für Selbstvermarktung ist.

Eine facettierte Schönheit

Am wohlsten fühlt er sich in der Werkstatt seines kleinen Hauses in Kolding, umgeben von Hund und Katze. Dort arbeitet er, zu den Klängen von Pink Floyd, Bob Dylan oder den Beatles an der besten Pfeife- Tag für Tag. Dort empfängt er Besucher, gibt Tips und Anleitungen und genießt, was er tut. Befragt, ob er ein Hobby habe, überlegt Kurt Balleby einen Moment und sagt dann, in seiner stillen und schlichten Art:“ Pfeifen machen…die Pfeifenmacherei ist mein Hobby!“

Wünschen wir ihm, dass er noch lange diesem Hobby nachgehen kann !

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